Späte Grippewelle breitet sich in der Ostschweiz aus
Es sind vor allem junge Menschen, die derzeit von der Grippe heimgesucht werden. Neben der Gruppe der 15 bis 29-Jährigen sind besonders Kleinkinder unter vier Jahren stark betroffen von der Grippewelle. Für sie sei das mit der Grippe einher gehende Fieber besonders gefährlich, erklärt Holger Hänsch. «Wenn Kleinkinder zu lange hohes Fieber haben, können sich gefährliche Fieberkrämpfe entwickeln», erklärt der Präsident des Ärztevereins Linth. Zudem drohe Gefahr durch Flüssigkeitsmangel, da Säuglinge und Kleinkinder bei Unwohlsein Nahrung und Getränke verweigerten.
Ältere Menschen kaum betroffen
Insgesamt bezeichnet Hänsch die Grippewelle in der Ostschweiz derzeit als stark. «Aber im letzten Winter war sie noch heftiger», hält der in Gommiswald praktizierende Hausarzt fest. Neben den stark in Mitleidenschaft gezogenen Kleinkindern falle auf, dass die über 65-Jährigen vom Virus mehrheitlich verschont blieben. Während auf 100 000 Einwohner 246 grippebedingte Arztbesuche auf Kleinkinder entfallen, werden lediglich 64 Konsultation durch Menschen über 65 Jahre vorgenommen. «Das ist auffällig. In anderen Jahren war besonders die Gruppe der über 65-Jährigen stark von der Grippe betroffen.»
Hänsch schliesst aus dieser Beobachtung, dass der diesjährige Impfstoff recht gut wirkt. «Bei den älteren Menschen haben wir eine gute Durchimpfquote. Wenn die über 65-Jährigen am wenigsten betroffen sind vom Virus, bedeutet dies, dass die Impfung wirkt.» Jüngere Personen liessen sich nach wie vor viel seltener impfen, erklärt Hänsch: «Ihnen ist die Impfung häufig zu teuer», weiss der Hausarzt.
Rund vier Wochen später
Normalerweise erreicht die Grippewelle ihren Höhepunkt einiges früher als in diesem Winter. «Häufig haben wir in den Arztpraxen bereits im Herbst Konsultationen wegen Grippe», erklärt Hänsch. Im Winter 2017/2018 seien die meisten Grippefälle bereits vier Wochen früher gemeldet worden. Während es im letzten Winter im Zusammenhang mit der Grippe zu aussergewöhnlich vielen Lungenentzündungen gekommen ist, beobachtet Hänsch derzeit keine speziellen Ausprägungen der Grippe. Eine definitive Bilanz lasse sich aber erst in acht bis zwölf Wochen ziehen. Insgesamt dauert die Grippewelle rund drei Monate.
Wie jeden Winter verwechselten auch heuer zahlreiche Patienten Grippe und Erkältung, erzählt der Präsident des Ärztevereins Linth. «Bei der Grippe kommt es immer zu einem Anstieg der Körpertemperatur», erklärt Holger Hänsch. Zudem komme eine Erkältung schleichend, während die Grippe normalerweise «wie angeworfen» auftrete.