Schulen auf dem richtigen Fuss erwischt
Zwei Knaben schwingen im Hanfländerquartier ein Seil, in der Mitte hüpft ein Mädchen. «Jetzt brauchen sie nur noch Musik, um einem Takt zu folgen. Genauso könnte in diesen Zeiten die Bewegung geschult werden», sagt Kindergartenlehrerin Claudia Leutwiler. Wie werden Inhalte vermittelt ohne Präsenzunterricht? Das ist die Frage, die momentan die Lehrerschaft im ganzen Land umtreibt.
Auf diese Frage scheint man in Rapperswil-Jona bestens gerüstet. «Die Situation hat uns auf dem richtigen Fuss erwischt», sagt Josef Bärtsch. Er ist der Schulleiter der Schule Hanfländer. Mit 430 Schülern, 60 Lehrpersonen und 30 weiteren Angestellten ist das die grösste Schuleinheit der Region.
Perfektes Timing – ein Zufall
Die Lehrer sind auf die Schulschliessung gut vorbereitet. Erst letzte Woche habe die Stadt neue Führungsstrukturen abgesegnet, sagt Bärtsch. Dadurch ist nun klar geregelt, welche Lehrperson die Verantwortung für klassenübergreifende Schulstufen übernimmt. Diese Koordination hilft, damit die einzelnen Lehrer altersgerecht den Schulstoff auch im Homeschooling vermitteln. «Es macht keinen Sinn, dass ich den Kindergartenlehrpersonen vorschreibe, was zu tun ist – denn ich war nie Kindergartenlehrer», sagt Bärtsch.
Kindergartenlehrerin Leutwiler hat nun eine solche Führungsaufgabe inne. Sie sagt, dass diese Umstrukturierung, schon seit Monaten laufe. Das zahle sich nun aus: «So können wir den Eltern etwas bieten, das Hand und Fuss hat.»
Der Fernunterricht stellt sie dennoch vor riesige Herausforderungen. Gerade im Kindergartenalter seien Lehrer sehr wichtige Bezugspersonen für die Kinder. «Wir müssen den Kindern zeigen, dass wir immer noch für sie da sind – auch wenn nicht physisch.» Um diese Nähe zu zeigen, habe sie beispielsweise gemeinsam mit einer anderen Lehrkraft ein Lied aufgenommen. Die Kinder hörten es via Handy – und brachen in Jubel aus. Es tut Leutwiler gut, denn: «Auch ich brauche die Kinder und will den gemeinsamen Faden aufrecht erhalten.»