Schiessen statt Essen
«Zutritt verboten, militärisches Trainingsobjekt» steht auf den Zetteln. Angebracht worden sind sie am Eingang zum ehemaligen Restaurant «Walensee» und an Mauern in der Umgebung der einstigen Autobahnraststätte.
«Sperrgebiet» ist auch der dazugehörige Parkplatz auf der gegenüber liegenden Seite der Autobahn A3 für die Öffentlichkeit – allerdings bereits seit gut eineinhalb Jahren. Das Bundesamt für Strassen (Astra) benutzt ihn zurzeit als Bauplatz.
«Ausfahrt verboten» gilt für den Rastplatz dennoch seit September 2017 für alle, die auf der Autobahn Richtung Weesen brausen – und somit auch für den Geschäftsführer der Restwal GmbH, der das einstige Restaurant «Walensee» gehört. In diesem möchte Heinz Peter Moravcic eigentlich wohnen. Doch das darf er nicht, unter anderem weil die seit bald 16 Jahren leer stehende Liegenschaft an der offiziellen Adresse «Nationalstrasse 3» von der Wasserversorgung abgeschnitten ist. «Zutritt verboten» gilt für Moravcic zwar nicht, «Zufahrt verboten» aber auch für ihn, wenn er das Gebäude mit dem Auto über den Rad- und Wanderweg anfahren möchte, der aus Mühlehorn hinter der stillgelegten Raststätte vorbei Richtung Gäsi führt.
Militärische Nutzung sehr selten
Den Kampf um sein Haus hat Moravcic aufgegeben. Das sagte er zumindest vor knapp drei Wochen. Um den Häuserkampf zu trainieren, benutzte es nun aber die Armee, wie Ronald Drexel Mitte Woche auf Anfrage bestätigte. Er ist Oberst im Generalstab und als solcher Kommandant des Ausbildungszentrums der Armee (AZA) in Walenstadt.
Die ehemalige Raststätte werde nur «sehr selten» als militärisches Trainingsobjekt benutzt, sagt Drexel. «Vielleicht zwei- bis dreimal pro Jahr und dann jeweils auch nur für ein paar Stunden.» Dafür stelle Moravcic der Armee das Haus phasenweise zur Verfügung. «Wir benutzen es, um das taktisch und technisch richtige Vorgehen im Häuser- und Ortskampf zu trainieren.»
Getan worden sei das auch jetzt in einem Kurs, an dem 18 Leute teilgenommen hätten. «Er dauerte zwei Wochen, wobei wir nur an einem Tag während ein paar Stunden im Gebäude waren», erklärt Drexel dazu. «Trainiert wurde darin mit Markiermunition. Doch der Kurs ist jetzt fertig, auch die Schilder wurden wieder entfernt.»