Über das Glauben: «Eine positive Einstellung, die wir in uns tragen»
von Cindy Ziegler
Es ist wieder diese Zeit im Jahr. Die Zeit des Zaubers und der Magie. In vielen Haushalten ist in den letzten Wochen ein Wichtel eingezogen, hat der Samiklaus etwas im Sack gebracht oder hat das Christkind einen Wunschzettel bekommen. Denn die Adventszeit ist auch die Zeit des Glaubens. Wir haben Paolo Capelli, Theologe und Religionspädagoge, gefragt, warum und wie wir Menschen glauben.
Herr Capelli, was bedeutet es, zu glauben?
Paolo Capelli: An etwas zu glauben bedeutet, an etwas festzuhalten, das man nicht sieht, aber fest erhofft.
Warum glauben denn Menschen überhaupt?
Ich denke, zu glauben ist eine wichtige Fähigkeit, die eng mit Vertrauen verbunden ist. Glauben kann helfen, schwierige Zeiten zu überstehen. Menschen, die krank sind, glauben daran, dass sie wieder gesund werden. Menschen im Krieg glauben an den Frieden. Das gibt Kraft und Zuversicht.
Neben diesem psychologischen Aspekt von Glauben gibt es ja auch den religiösen Glauben.
Genau. Ich denke, man muss diese beiden Aspekte auch ein bisschen voneinander trennen. Der psychologische Aspekt beschreibt in meinen Augen die Fähigkeit, an eben diesen Dingen festzuhalten, die nicht sichtbar oder noch nicht eingetroffen sind. Das ist sehr individuell. Der religiöse Glauben hingegen ist eher vordefiniert.
Glauben ist also nicht per se an Religion geknüpft?
Nein. Denn jeder Mensch glaubt an irgendetwas. An sich selbst zum Beispiel. Ich würde Glauben als positive Einstellung definieren, die wir Menschen in uns tragen.
Wann beginnen Kinder, zu glauben? Und wie unterscheidet sich ihr Glaube von dem von Erwachsenen?