Den Tod eines Freundes verschuldet
von Theo Gstöhl
«Ein Lernfahrer ist in Haldenstein mit einem entwendeten Auto verunfallt. Einer der Fahrzeuginsassen wurde dabei getötet und ein weiterer verletzt.» Mit diesen Worten begann die Mitteilung der Kantonspolizei Graubünden vom 15. September 2018. Gestern stand der 20-jährige Portugiese, der den Tod eines guten Kollegen zu verantworten hat, in Chur vor Gericht. Die Anklage lautete auf eventualvorsätzliche Tötung, mehrfach versuchte eventualvorsätzliche Tötung, qualifiziert grobe Verkehrsregelverletzung, mehrfaches Entwenden eines Motorfahrzeugs zum Gebrauch, Führerflucht und weitere Strassenverkehrsdelikte.
Es war nicht das erste Mal, dass der damals 18-jährige Lernfahrer nach erst fünf absolvierten Fahrstunden am Abend des 14. September 2018 den BMW X3 seines Vaters entwendete, um Strolchenfahrten mit Kollegen zu unternehmen. Auf der Kantonsstrasse zwischen Trimmis und Chur fuhr er mit 150 Stundenkilometern (km/h); auf der A13 Richtung Reichenau beschleunigte er das Auto bis auf 210 km/h. Und auf dem Rückweg lieferte er sich mit einem Audi A3 eines Kollegen ein Rennen mit Tempos bis zu 204 km/h.
Die Todesfahrt
Danach, am 15. September um 2.10 Uhr, fuhren sie zum Parkplatz beim Klettergarten Haldenstein. Ohne sich zu vergewissern, ob seine vier Insassen angeschnallt waren, fuhr der BMW-Fahrer zurück zur Brücke, wendete und beschleunigte auf über 151 Stundenkilometer. Im Bereich einer lang gezogenen Rechtskurve bremste er ab, das Auto geriet ins Schleudern, kam von der Strasse ab und kollidierte zuerst mit einer Signaltafel und danach mit einem Hochstromkasten. Dabei wurde der 17-jährige Beifahrer aus dem Fahrzeug geschleudert. Er erlitt tödliche Verletzungen. Ein weiterer Mitfahrer wurde verletzt.