«Prüfet alles, das Gute behaltet»
Wie gestaltet man eine Vernissage zu einem Architektur-Themenheft? Eine kreative Antwort auf diese Frage fand Köbi Gantenbein, indem er mit Domenic und Curdin Janett von den «Fränzlis da Tschlin» zwei Musikanten auf die Bühne des Kulturplatzes holte und ihre Stücke zusammen mit seinen Ausführungen und Gesängen zu einer Operette verquickte. Doch um was geht es?
Nach dem Buch noch ein Heft
Der «Hochparterre»-Verleger ist in Davos kein Unbekannter. 2018 verfasste er zusammen mit den hiesigen Architekten Jürg Grassl und Philipp Wilhelm den Architekturführer «Bauen in Davos». Fünfzig Bauwerke werden darin vorgestellt – allerdings kamen in der Zwischenzeit einige wichtige Bauten dazu. So werden in ähnlicher Manier wie im Büchlein sieben Projekte präsentiert. Im Heft, das den Titel «Die Alpenstadt baut» trägt, werden vorgestellt: das Eisstadion, der Ersatzbau für das Sporthotel Clavadel – der im Herbst 2023 bezugsbereit sein soll, die Dreifachturnhalle am Platz, der Zugang zur Marienkirche, das Schulhaus Bünda, die Arkaden sowie – als Blick in die Zukunft – das Generationenprojekt Davos Dorf.
Heiter ging es weiter
Nicht mit der Zukunft, sondern mit der Vergangenheit startete die Operette. Köbi Gantenbein stieg zu Beginn noch selber als Musikant ein und spielte Klarinette. Er zeigte, dass er nicht nur über eine spitze Feder verfügt, sondern auch über musikalisches Talent. Den Anfang seiner Erzählungen fand er in einem denkwürdigen Moment 1853. Der Deutsche Revolutionär und Arzt Alexander Spengler reist ins Gebirge nach Davos. Was geht dem später als «Kurortgründer» bekannt gewordenem Herrn während seiner Fahrt mit der Kutsche durchs Prättigau wohl durch den Kopf? Der Vortragende holte das Publikum mit auf eine Zeitreise, die einem durchaus abstrusen Traum glich. Mit einer Prise Humor und viel Phantasie erzählte Köbi Gantenbein von allerlei Geschehnissen im Landwassertal – einige davon könnten tatsächlich stattgefunden haben, bei anderen wurde hingegen mit viel Vorstellungsvermögen nachgeholfen. Wie sonst hätten sich Alexander Spengler († 1901) und WEF-Gründer Klaus Schwab (*1938) treffen sollen? Der «Hochparterre»-Verleger fand zwischen den Herren sogar einige Parallelen: Beide seien aus Deutschland «geflohen», und beide hätten sich der Heilung verschrieben: Spengler kurierte kranke Lungen, Schwab kuriert die Ratlosigkeit auf dieser Erde. Und mit ebendiesem Helfervirus sei auch der jetzige Landammann Philipp Wilhelm infiziert worden – «er will gar die ganze Welt retten», meinte Gantenbein scherz-, aber auch kumpelhaft.