Die ungewöhnliche Berufswahl einer Klosterserin
Ein wacher Blick, schön, grosse, braune Augen strahlen. Patricia Flütsch sitzt auf einem Stuhl in der gemütlich eingerichteten Küche im Haus ihrer Eltern. Klosters ist schon seit jeher ihre Heimat und das solle auch so bleiben, sagt sie mit einem strahlenden Lachen. «In Klosters fühle ich mich Zuhause, hier ist alles, unser Bauernhof, meine Familie und Freunde», so Patricia Flütsch.
Schon früh wusste sie, dass ihr Traumberuf einer ist, den man mit den Händen ausübt. «Etwas erschaffen irgendwie für die Ewigkeit, wenn man das so sagen kann.» Überall wo man hinschaut, sieht man selbst gemachte Dekoration, alles mit viel Liebe zum Detail. So verwundert es nicht weiter, dass Patricia Flütsch Innendekorateurin lernte und nun bei einem Sattler arbeitet. Das Handwerkliche begleitet Patricia Flütsch schon ihr ganzes Leben lang. «Ich nähte so oft es ging mit meinem Nani und meiner Mutter schöne Dinge.» Patricia Flütsch erinnert sich noch gut an diesen Moment, als sie wusste, was sie später mal werden möchte. «Es war mir klar, dass ich eines Tages bei einem Sattler arbeiten möchte. Das Material Leder hat mich schon als kleines Kind fasziniert, als ich die Zäume und Geschirre von unseren Kühen und Pferde in den Händen hielt. Man kann so viele schöne Sachen daraus herstellen.» Unter anderem auch Schellenriemen für die Kühe. «Der Gedanke daran, dass ich irgendwann unsere Kühe mit den eigenen Riemen ausstatten kann, löst in mir Glücksgefühle aus.»
Durch einen grossen Zufall kam Patricia Flütsch zu einem pensionierten Sattler, der in Klosters immer noch eine kleine Werkstat führt. «Meine Eltern brachten ab und zu kaputte Ledersachen zu ihm, um es flicken zu lassen. Ich habe ihn eines Tages gefragt, ob ich zu ihm schnuppern kommen kann. Er war begeistert, dass so eine junge Dame diesen Beruf noch spannend findet und willigte sofort ein. Ja, so begann die Zusammenarbeit mit Hans Mani.» Er brachte Patricia Flütsch die Grundlagen mit dem Material Leder Schritt für Schritt bei. Ihre Augen funkeln bei der Erzählung über diese Zeit. Als ihr klar wurde, dass sie diesen Beruf nicht in Graubünden lernen kann, musste sie sich Gedanken machen, ob sie bereit ist, für diese Ausbildung aus dem Kanton zu gehen.