Generationenwechsel unter einem Stern
Wer heute die Garage Milt AG in Glarus betritt, erlebt einen Generationenwechsel. Vor dem Gebäude mit dem Mercedes-Stern stehen Markus Freitag und Reto Pünchera. Freitag führt den Betrieb seit dem 1. Januar 2026, Pünchera bleibt vorerst zwei Tage pro Woche im Hintergrund; die Übergabe ist sorgfältig geplant.
Freitag wuchs in Elm auf. Der Vater führte einen Bauernbetrieb mit Werkstatt, die Mutter unterrichtete. Technik gehörte zum Alltag. «Wir haben viel selbst geflickt», sagt der 28-Jährige. Am Töffli schraubte er früh, Autos interessierten die ganze Familie schon immer.
Zur Garage Milt kam er über eine Schnupperlehre. Er absolvierte die Ausbildung zum Automobilmechatroniker, bildete sich zum Systemtechniker weiter und wechselte später in den Kundendienst. Seit zwei Jahren ist er Mitinhaber, im Mai übernimmt er die Aktien vollständig. Pünchera begleitet den Schritt. «Es ist wichtig, dass die Übergabe sauber läuft», sagt er. Denn: «Vertrauen wächst mit Kontinuität.»
Hundert Jahre am gleichen Ort
Dieses Vertrauen reicht zurück ins Jahr 1924. Schmiedemeister Kaspar Milt-Jenny erwarb damals in Glarus drei Gebäude auf dem Areal der Brunner'schen Druckerei und richtete für seinen Sohn eine Auto- und Veloreparaturwerkstätte ein. Am 9. September 1924 entstand die Firma K. Milt jun., Autogarage Glarnerhof. Zehn Jahre später verschwand der Zusatz «Glarnerhof», weil Automobile längst mehr waren als ein Privileg für Hotelgäste.
Zunächst verkaufte der Betrieb drei Fiat aus Genf. Nach dem Krieg folgten DKW und Auto Union, später Audi. 1953 kam Mercedes-Benz hinzu. Als Audi Ende der 1960er-Jahre Teil von Volkswagen wurde, entschied sich die Garage für Mercedes – für Personenwagen und Nutzfahrzeuge. Eine Marke genügte, um Werkstatt und Verkauf auszulasten und die Abläufe schlank zu halten.