Karin Hartmann, die Egoistin
Karin Hartmann ist 49 Jahre alt und arbeitet als Kinderärztin am Kantonsspital in Chur. Sie hat sich zur Kinderhämatologin und -onkologin weitergebildet. Und sie ist eine Egoistin. Manchmal lässt sie ihre Familie, ihren Job, ihr Leben in der Schweiz zurück und reist in ein weit entferntes, unsicheres Land. Um mit den Ärzten ohne Grenzen (MSF) Menschen, vornehmlich Kinder, zu behandeln, die keinen Zugang zu guter medizinischer Versorgung haben. Nicht, weil ihr das besonders Spass macht, sondern weil sie weiss, dass es das Richtige ist. Weil sie es tun muss. Weil diesen Kindern sonst niemand hilft und sie einfach sterben. Sie sagt: «Ich bin in der Schweiz auf die Welt gekommen. Das ist eine riesige Chance. Ich durfte ein Medizinstudium machen. Ich zähle zu den privilegierten Menschen auf dieser Welt. Es war mir relativ rasch klar, dass ich etwas zurückgeben will.» Doch aktuell möchte Hartmann keine Egoistin sein.
Die aus der Region Basel stammende Ärztin lebt mit ihrem Partner in Sargans und verbringt ihre Freizeit mit Reisen, Wandern und Lesen. Zudem ist sie Tante von drei Jungen. Hartmanns Stimme wechselt in eine höhere Tonlage, wenn sie von ihren Neffen spricht. Sie sind einer der Gründe, weshalb es ihr zurzeit schwer fällt, eine Egoistin zu sein.
Schon drei Einsätze absolviert
Hartmann war schon drei Mal für Ärzte ohne Grenzen unterwegs. Wenn ihr Berufs- und Privatleben es zulassen, meldet sie sich bei MSF und gibt an, wann sie verfügbar ist. Das letzte Mal war das 2017. Sie reiste in den Südsudan. Ihren ersten Einsatz hatte Hartmann in der Demokratischen Republik Kongo, 2006. Drei Jahre später reiste sie nach Guinea /Westafrika.
Auch wenn die Einsätze für MSF nicht komplett auf Freiwilligenarbeit beruhen – einen finanziellen Anreiz gebe es nicht, sagt Hartmann. «Man erhält eine Vergütung und Kost und Logis sowie die Krankenversicherung bezahlt.» Nicht vergleichbar mit dem Lohn, den sie hier in der Schweiz in dieser Zeit erhalten würde.