Jetzt ist Graubünden telefonkabinenfrei
Die Ära der Telefonkabine ist in Graubünden endgültig vorbei. Im Oktober wurde die letzte Kabine des Kantons auf der Lenzerheide demontiert. «Irgendwo muss man schliesslich aufhören», so Swisscom-Mediensprecherin Esther Hüsler. Seit Januar 2018 muss die Swisscom die Telefonkabinen nicht mehr unterhalten. In den vergangenen Jahren seien Publifone vielleicht einmal pro Tag benutzt worden – und das sei noch eine gute Bilanz, so Hüsler.
Höchstens drei Minuten reden
Ein Rückblick: Zwischen 1880 und dem Ersten Weltkrieg wachsen in der Schweiz einzelne Telefonnetze zu einem dichten nationalen Telefonnetz zusammen. Für Privatpersonen ist ein Telefonanschluss anfangs noch viel zu teuer, wie es auf der Website des Schweizerischen Nationalmuseums heisst. In Post- oder Gemeindestellen, aber auch in Bahnhöfen oder Restaurants lässt sich das in einer Kabine stehende Telefon gegen eine Gebühr benutzen. Sehr populär ist es nicht, 1890 gibt es schweizweit gerade einmal 67 «öffentliche Sprechstationen».
Zum Durchbruch verhelfen der frei stehenden Telefonkabine die Automatisierung der Telefonie und die neu eingeführten Kassierstationen mit Wählscheibe. Doch die Gesprächszeit dauert nur drei Minuten – Münz nachwerfen ist noch nicht möglich.
Im Zweiten Weltkrieg erlebt das Telefonieren in der Schweiz einen «Popularisierungsschub», wie es auf der Website weiter heisst. Das Telefon vermittelt Kontakte zwischen Soldaten im Aktivdienst und Angehörigen und lässt viele erstmals Erfahrungen mit dem Telefon sammeln. In der Folge wird das Telefonieren nach 1945 alltäglich und wegen sinkender Gebühren für breite Bevölkerungsschichten erschwinglich.
1992 erreicht die Ära der Telefonkabinen in der Schweiz ihren Höhepunkt. In diesem Jahr zählen die Schweizerische Post-, Telefon- und Telegrafenbetriebe (PTT), heute die Swisscom, rund 8000 frei stehende Kabinen. Doch mit dem Ausbau des Mobilfunknetzes beginnt ab 1993 der Siegeszug des Handys.