Jägerin auf Samtpfoten: die neue Sonderausstellung im Naturmuseum
von Susanne Turra
Sie ist anschmiegsam. Distanziert. Eigenwillig. Flink. Eine Jägerin. Ein Haustier. Ursprünglich aus Afrika. Und eine wahre Überlebenskünstlerin. Man sagt ihr nach, sie habe sieben Leben. Die Katze.
«Die Katze hat natürlich auch nur ein Leben», betont Ueli Rehsteiner und lacht. Aber die Vielfalt der Sprüche, Mythen und Weisheiten rund um dieses Tier ist enorm gross. Mehr dazu später. Es ist Dienstagmorgen im Bündner Naturmuseum in Chur. Der Museumsdirektor führt durch die Sonderausstellung «Die Katze. Unser wildes Haustier». Wild und beliebt. Mit einer langen Geschichte. Die ersten Katzen gibt es schon vor 40 Millionen Jahren. Katzen werden zum Erfolgsmodell in der Evolution. Heute gibt es rund 38 verschiedene Arten. «Dass man verschiedene Rassen züchtet, ist ein relativ junges Phänomen», so Ueli Rehsteiner. «Das ist erst seit dem 19. Jahrhundert so. Seither ist die Variabilität sehr gross.» Die kleinste Katze ist die Rostkatze. Sie ist in Indien und Sri Lanka verbreitet. Und sie wiegt nur gerade 1,5 Kilogramm. Die grösste Katze war die südamerikanische Säbelzahnkatze. Sie brachte bis zu 500 Kilogramm auf die Waage. Vor 10'000 Jahren ist sie ausgestorben.
Mäuse locken Katzen an
Heute leben in der Schweiz rund 1,7 Millionen Katzen. Hauskatzen. Wildkatzen. Und an dieser Stelle soll gleich ein weitverbreiteter Irrglaube aus dem Weg geräumt werden: Unsere Hauskatze stammt nicht von der Wildkatze ab. Sie stammt von der Falbkatze ab, die in Nordafrika und dem Nahen Osten verbreitet ist. Die Europäische Wildkatze ist zwar mit der Hauskatze verwandt. Und die beiden können sich miteinander fortpflanzen. Mehr aber auch nicht. Und in Graubünden kommt die Wildkatze auch gar nicht vor. In der Schweiz lebt sie hauptsächlich im Jura.
Zurück zur Hauskatze. Ihre Domestikation, also die Umwandlung vom Wildtier in das Haustier, hat mit der Sesshaftigkeit der Menschen zu tun. Als die Menschen vor rund 11 000 Jahren sesshaft werden, beginnen sie mit Viehzucht und Ackerbau. Sie legen viele Vorräte an. Getreidevorräte locken Mäuse an. Mäuse locken Katzen an. Und so breitet sich die Hauskatze nach und nach aus. Immer mit dem Menschen zusammen. Vor rund 2000 Jahren auch bei uns. Die Katze wurde also nicht geholt. Sie kam von sich aus. Anders beim Hund. Dort wurde immer ein Ziel verfolgt. Der Hund musste eine Rolle übernehmen. Wie der Wolf ist er ein Rudeltier. Er braucht einen Boss. Die Katze braucht das nicht. Sie ist der Boss.