Ihm stinkt es nie
Zwei Dinge vorweg: Das Klären von zehn Litern schmutzigem Wasser kostet in Bilten ungefähr einen Rappen. Und die rund 7,5 Millionen Kubikmeter, welche die Abwasserreinigungsanlage (ARA) jährlich durchlaufen, entsprechen ungefähr dem 7,5-fachen Volumen des Oberblegisees.
Der ist natürlich viel sauberer. Denn was aus allen drei Glarner und den drei St. Galler Gemeinden Schänis, Weesen und Amden in der ARA Glarnerland angeschwemmt wird, ist eine Kloake. In dieser – na ja, «spiegelt» – sich gewissermassen die ganze Gesellschaft. So findet sich im Abwasser vieles, das dort nicht hineingehört: Plastikmüll, Wattestäbchen, Tampons, Kondome, Zigarettenkippen, Brat- und Frittierfett oder Rückstände von Medikamenten. Und von Kokain.
Pillen hinterlassen Spuren
Eine Abwasserstudie der europäischen Drogenbehörde hatte 2018 ergeben, dass im Verhältnis zu den Einwohnern und im Vergleich mit 56 europäischen Städten in Zürich an Wochenenden am meisten Kokain konsumiert wird.
«Das haben wir hier noch nie untersucht», sagt Klaus Biermann lachend. In der ARA Glarnerland sei Diclofenac wohl das bekannteste Beispiel für Mikroverunreinigungen, fährt der Betriebsleiter fort. Enthalten ist der Wirkstoff in Pillen oder Gels wie Voltaren, um Schmerzen zu lindern, Fieber zu senken, Entzündungen zu hemmen oder um zu kühlen. Doch auf die Gesundheit der Fische kann sich das negativ auswirken. Auch darum trat 2016 ein neues Gewässerschutzgesetz in Kraft, wonach ausgewählte Schweizer Kläranlagen solche Mikroverunreinigungen künftig eliminieren müssen. Die ARA in Bilten gehört dazu, weil sie sich im Einzugsgebiet des Zürichsees befindet und ihr insgesamt über 24 000 Einwohnerinnen und Einwohner angeschlossen sind. Rund 45 000 sind es zurzeit, mit den angeschlossenen Industrie- und Handwerksbetrieben geht man sogar von einer Belastung von total 70 000 sogenannten Einwohnerwerten (EW) aus.
Kapazität bereits erhöht
Mit diesen 70 000 EW ist die Kapazitätsgrenze in Bilten erreicht, zumal Ende Sommer auch das Abwasser des Verbands Mühlehorn, Obstalden, Murg und Filzbach in Bilten geklärt wird. Noch wird es in der ARA Quarten-Mittensee in Murg gereinigt. Um sie mit der ARA Glarnerland zu verbinden, wird derzeit eine 9 Kilometer lange Leitung von der ARA in Murg bis zur Biäsche in Weesen im Walensee verlegt.