Gute Infektion
von Ulrich Knoepfel*
Eine Ansteckung zu vermeiden, ist gegenwärtig oberstes Gebot. Um die Verbreitung des Corona-virus einzudämmen, wird das Leben ganzer Nationen stillgelegt. Und das ist richtig so.
Mit «Infektion» verbinden wir meist und gerade heute etwas Gefährliches, das es unbedingt zu verhindern gilt. Aber ansteckend sind nicht nur Krankheiten. Es gibt nämlich durchaus auch «Infektionen», die Gutes bewirken, ja, ohne die wir gar nicht leben könnten.
So kann uns eine Melodie zum Mitsingen bewegen, ein Duft kann vergessene Erinnerungen wachrufen und uns in andere Welten versetzen. Ein Witz bringt uns zum Lachen, in froher Stimmung springt der Funke über.
Eigentlich kann sich jede seelische Regung von Mensch zu Mensch übertragen: Meine Begeisterung will sich auf andere ausbreiten. Kreativer Geist kann ein Team inspirieren. Eines Menschen Hoffnung kann sich ausweiten zu einer Hoffnungsgemeinschaft. Und gleichermassen ist auch die Liebe auf Ausstrahlung und Wachstum angelegt.
Leider gilt dies ebenso von den düsteren Stimmungen: Auch Hass, Zynismus und Depression können sich ausbreiten. Doch wir Menschen sind diesen Kräften nicht hilflos ausgeliefert. Es liegt an uns, welchen Einflüssen wir uns aussetzen und vor welchen wir uns isolieren wollen.
So etwas wie Ansteckung spielt auch in Glaubensdingen. Jesus sagt: «Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Sauerteig, den eine Frau nahm und unter drei Scheffel Mehl mischte, bis alles durchsäuert war.» (Matthäus 13, 33)