Geschafft
Mit einem Touristenbus seien sie nach drei Tagen des Um- und Neupackens vom Flughafen zum Gletscherrand rund 25 Kilometer landeinwärts gefahren, erzählt Markus. Auf dem Eis dort errichteten sein Begleiter Allan Asle und er gleich das erste Camp. «Allan und ich waren ein hervorragendes Team, das über die ganze Zeit bestens harmonierte.» Die zwei ersten Tage der Expedition waren geprägt vom Kampf mit dem Gletscherabbruch, der den Weg zum Plateau versperrt. Blum beschreibt es als ein ansteigendes, von riesigen Eisblöcken übersätes und von Spalten durchzogenes Labyrinth. «Zur Sicherheit waren wir mit Steigeisen und angeseilt unterwegs.» Am ersten Tag hatten sie nach zehn Stunden Marsch lediglich neun Kilometer und 300 Höhenmeter geschafft. Am dritten Tag und total 600 Höhenmeter später, öffnete sich nach zwei Stunden jedoch das Eis und gab den Blick auf die unermessliche Weite des Hochplateaus frei.
Beengende Weite
«Dieser gegen Osten offene Blick ging mit einem gewaltigen Gefühl der Weite einher», erzählt Blum. In den folgenden 20 Tagen etablierten die beiden Eiswanderer einen Tagesrythmus von mindestens zehn Stunden Marsch mit regelmässigen Pausen spätestens alle zwei Stunden. «Das ist wichtig, um nicht in einen Hungerast oder eine Erschöpfung hineinzulaufen. Ganz egal, wie fit man ist und wie gut man sich fühlt.» Dazwischen gab es viel Zeit, die Gedanken schweifen zu lassen. «Es ist eine absolut lebensfeindliche Umgebung. Es gibt nichts ausser dem Eis und dem Himmel.» Man hätte genau so gut auf dem Mond sein können und spüre, wie klein man angesichts dieser immensen Natur sei. Blum: «Es wird einem akut bewusst, dass das ganze Überleben vom Gepäck abhängt, das man auf dem Schlitten hinter sich her zieht.» An Tagen mit Sturm oder Nebel sei es ausserdem gewesen, als ob sie sich in einer Blase vorwärts bewegten. «Ausser dem Wetter ändert sich nichts, es fehlt jeder äussere Reiz.» Dennoch hätten sie jederzeit aufmerksam sein müssen, und die Sinne schärften sich für Details. «Zum Beispiel zur Beschaffenheit des Schnees unter den Skiern.» Am Abend beim Aufstellen des Camps sei das Zelt ein ersehnter Farbtupfer im eintönigen Weiss gewesen, die Zeltwand eine willkommene Begrenzung.»