Geht das Verlorene Loch bald wirklich verloren?
Es fing vor 20 Jahren an, als der A13-Südanschluss Thusis eröffnet wurde. Die alte Strasse in der Schlucht zwischen Thusis und Rongellen wurde in der Bedeutung zurückgestuft. Als später auch noch die Oleodotto del Reno SA ihre alpenquerende Erdöl-Transportleitung aufgab und die Strasse nicht mehr als Zufahrt zu ihren Anlagen benötigte, fielen weitere Beiträge an den Unterhalt der historischen Verbindung weg. Seither befindet sich die Strasse durch das Verlorene Loch, wie der Abschnitt heisst, im Dornröschenschlaf und dient nur noch als Wanderweg und Velowanderroute. Wobei das mit dem Schlaf nicht ganz stimmt, denn es tut sich durchaus etwas im Verlorenen Loch – allerdings nichts Erfreuliches. Der einst bedeutende, von 1818 bis 1823 mit enormem Aufwand ausgebaute Transitverkehrsweg zerfällt, stellenweise rutscht das Trassee in die Schlucht ab.
Ein Weckruf aus Masein
Der desolate Zustand der Strasse, die zum Bundesinventar der historischen Verkehrswege der Schweiz gehört, hat nun den Maseiner Lehrer, Höhenbergsteiger und Fotografen Pius Furger auf den Plan gerufen. Was er bei einer Begehung der alten Strasse angetroffen hat, hat ihn dazu veranlasst, mit seiner Beobachtung als Weckruf an die Öffentlichkeit zu gehen. Die Bilder, die er in Sozialen Netzwerken und in der Lokalzeitung «Pöschtli» publiziert hat, haben auch prompt zu Reaktionen geführt: Ein «Skandal» sei der Zustand des Verkehrswegs, der Anblick sei «erschreckend und himmeltraurig», der Unterhalt des Strassenabschnitts werde seit Jahren «arg vernachlässigt», so einige der Rückmeldungen, die zu Furger gelangt sind.
Auch bei der kantonalen Denkmalpflege weiss man um den Zustand der Strasse durch das Verlorene Loch, die viele vor allem wegen des pittoresken Tunnels kennen, den nicht zuletzt der bekannte Maler Johann Jakob Meyer (1787–1858) um 1826 mehrfach festgehalten hat. «Wir hatten schon vor längerer Zeit Kontakt mit den zuständigen Gemeinden Thusis und Rongellen», sagt Denkmalpfleger Simon Berger. «Es gab auch eine Begehung.» Seither habe sich aber nichts mehr getan. «Es ist immer etwas schwierig, Druck aufzusetzen, wenn es nicht um klassische Schutzobjekte geht, sondern um Objekte aus einem Inventar. Wir werden aber sicher nachfassen.»