Gefahren im Netz: Cybercrime in Graubünden
von Susanne Turra
«Es kann alle treffen», betont Christoph Scherer gleich zu Beginn. «Die stereotype Person, die Opfer eines Cyberdelikts wird, gibt es nicht.» Der Leiter Spezialdienst Cybercrime der Kantonspolizei Graubünden steht vor seiner langen Computerzeile. Fünf Geräte sind es, die er gleichzeitig bedient. 14 Mitarbeitende insgesamt, die mittlerweile im digitalen Dienst arbeiten. Polizei- und Zivilangestellte. Alle mit entsprechender Ausbildung. Der Sicherheitsexperte selber bringt Fachkenntnisse in Betriebswirtschaft, digitaler Forensik und als Polizist mit. Und die Fälle häufen sich. Die Cyberdelikte nehmen jährlich um 30 Prozent zu. Das erstaunt nicht. In dieser nicht aufzuhaltenden, unendlichen Welt der Digitalisierung. «Es ist eine grosse Herausforderung»,bestätigt der Fachmann. «Ein komplexes Thema. Abstrakt. Und manchmal auf den ersten Blick nicht greifbar.» Für Christoph Scherer indessen Alltag. Und eine Passion.
Doch, was ist Cyberkriminalität eigentlich genau? Und gehören der «Enkeltrick» und die «Falschen Polizisten» auch dazu? «Diese Delikte sind kein Cyberphänomen», erklärt der Experte. «Aber sie haben Bezug zu digitalen Spuren.» Es gibt nämlich zwei verschiedene Formen von Cyberkriminalität. Cybercrime im engeren Sinn: Das sind Delikte gegen die Informationstechnologie. Gegen Computer und Netzwerk. Ein Hackerangriff, beispielsweise. Und Cybercrime im weiteren Sinn: Das betrifft Delikte, die es schon seit eh und je gibt. Die aber heute vermehrt mit digitalen Hilfsmitteln begangen werden. Dazu gehören unter anderem die klassischen Betrugsdelikte. Wie eingangs erwähnt, nehmen die Cyberdelikte rasant zu. Weltweit, schweizweit und auch in Graubünden.
Das Risiko erwischt zu werden, wird kleiner
«Die Gesellschaft bewegt sich viel häufiger im digitalen Raum als früher», gibt Christoph Scherer zu bedenken. Und: «Für die Täterschaft ist es zunehmend bequemer, das Delikt von Zuhause aus von irgendwo zu begehen.» Das Risiko, erwischt zu werden, wird aufgrund von Anonymisierungsmöglichkeiten kleiner. Und die Herausforderung für die Polizei wird grösser. Die Delikte werden komplexer. Die Technologie verändert sich laufend. Und die Täterschaft organisiert sich immer besser.