Gastronomen decken Tisch von jenen, die wenig haben
Am Freitagabend um 23 Uhr mussten alle Gastrobetriebe im Kanton schliessen. Am Samstagmorgen um Punkt 8 Uhr, nur neun Stunden später, war die Hotline von «Tischlein deck dich» für die Gastronomie offen. Eine Viertelstunde später meldete sich der erste Betrieb: ein Bistro in Chur.
Mit der Hotline haben der Branchenverband Gastrograubünden und der Verein «Tischlein deck dich» eine einmalige Aktion gestartet. Damit Lebensmittel, die während des Mini-Lockdown verderben, nicht weggeworfen werden, können sich Wirtinnen und Wirte bei «Tischlein deck dich» melden – und schon fahren die Kühlwagen des Vereins vor.
«Tischlein deck dich» sammelt einwandfreie Lebensmittel ein und verteilt sie für den symbolischen Betrag von einem Franken an Menschen, die am Existenzminimum leben. Neun solche Abgabestellen betreibt die Organisation im Kanton. Seit 16 Jahren gibt es den Verein in Graubünden, seit zehn Jahren arbeitet er mit dem kantonalen Amt für Industrie, Gewerbe und Arbeit zusammen.
Essen für 1000 Personen
Im vergangenen Jahr kamen im Logistiklager Graubünden, zu dem auch St. Gallen und das Fürstentum Liechtenstein gehören, 322 601 Kilogramm Esswaren zusammen. Spender sind Supermarktketten wie Coop, Migros, Manor, Aldi und Lidl. Sie geben ihre Ware ab, weil das Datum bald abläuft oder zu viel produziert wurde.
Verteilt wurden die «Tischlein deck dich»-Lebensmittel im vergangenen Jahr an rund 1000 bedürftige Personen wöchentlich. «Früchte und Gemüse sind spätestens am nächsten Tag bei den Empfängern», erklärt Willy Roth, der für den Kanton das Projekt betreut. «Das Trockensortiment wird etappenweise verteilt.»