«Das Alleinsein im Herzen»
In den 1950er-Jahren und auch später noch haftete unehelichen Kindern ein schwerer Dünkel an. Dass zudem ein katholischer Geistlicher Nachwuchs zeugte, war eine Ungeheuerlichkeit. Toni Ebnöther, ein attraktiver katholischer Priester, schwängerte in der Provinz der 1950er-Jahre mehrere Frauen, bis ihm der Bischof das Priesteramt entzog.
Er kaufte dann oberhalb Saas ein kleines Gasthaus, dirigierte verschiedene Chöre mit und spielte Kirchenorgel. Für die Öffentlichkeit engagierte er sich vielseitig, war unter anderem Kurvereinspräsident in Saas, initiierte den Bau eines Dorfbrunnens und den Bau der Grüenbödeli-Hütte. Angesichts seiner Verdienste für das Allgemeinwohl und seines geselligen Charakters sah die Öffentlichkeit über seinen «Fehltritt» hinweg – darüber sprach man, wenn schon, nur hinter vorgehaltener Hand. Sein Restaurant «Sunneschy» war das Ziel mancher gemütlichen Familienwanderung an einem Sonntagnachmittag.
Während dieser Zeit hatte er im Prättigau mit einer Frau zwei weitere Kinder, Daniela und Adrian, was ein offenes Geheimnis war. Kurz vor seinem Ableben heiratete er seine damalige Lebenspartnerin und kehrte damit, durch das «Heilige Sakrament der Ehe» wieder in den Schoss der katholischen Kirche zurück.
An Ebnöthers Bestattung 2011 brachte eine seiner Töchter, Monika Gisler, den Ball ins Rollen, als sie sich selbstverständlich in die vorderste Bank setzte und angehalten wurde, sich nach hinten zu begeben – dieser Platz sei ausschliesslich für die Verwandten reserviert. Sie ist jedoch das einzige Kind, welches den Vater zeit seines Lebens getroffen hatte, durfte aber nie darüber reden: «Es ist immer ein Schleier über allem gelegen.». Als sie erfährt, dass sie Geschwister hat, spürt sie sie auf – eine sehr emotionale Suche.
«Ich war halt blöd»
Monikas Mutter lernte Toni im Kirchenchor kennen und erinnert sich: «Er sagte: ‹Komm ein bisschen ins Bett. Dann haben wir wärmer.› Dann legte ich mich halt hin. Er zog mir die Hosen aus. Ich wusste nicht, was passiert. Er ist in mich rein – das tat höllisch weh. Ich sagte: ‹Hör auf, es tut weh.› Dann sagte er: ‹Nicht lange. Es tut dir nachher gut.› Dann zog ich mich an und ging. Ich war halt blöd.» Mit dem Geld, das sie von ihm für eine Abtreibung erhält, kauft sie Wolle.