Es sieht fast aus wie Ferien, es sind aber keine Ferien
Der Erstklässler singt: «It's corona-time, it's corona-time!» Das habe er bei seiner grossen Schwester gehört. Nur gerade vier Schüler sind gestern Vormittag im Schulhaus Oberurnen versammelt, wo sich normalerweise über 160 Schüler vom Kindergärtler bis zur Sechstklässlerin tummeln. Es ist Tag 1 des Corona-Fernunterrichts an den Glarner Schulen.
Am Freitagnachmittag hat der Bundesrat die Schliessung aller Schulen in der Schweiz verfügt. Der Kanton Glarus will aber die Betreuung der Kinder sicherstellen, für die es keine andere Lösung gibt. Deshalb findet in den Kindergärten und Primarschulhäusern ein improvisierter kostenloser Hortbetrieb statt. Denn es ist besonders wichtig, dass die Kinder nicht von ihren Grosseltern beaufsichtigt werden, die in der Regel zu Risikogruppen gehören. Auch die Kinderkrippen und regulären Kinderhorte sind deshalb nicht geschlossen worden.
Der Zivi macht Spiele
Der singende Erstklässler macht mit dem 21-jährigen Zivildienstler Benjamin Habert ein Spiel. Habert und die Lehrerin Stefanie Eckert betreuen ihn und drei Mädchen in einem Klassenzimmer. Auch die Mädchen machen ein Gesellschaftsspiel. Eckert bereitet Lektionen für ihre abwesenden Schüler vor.
Es ist Benjamin Haberts dritte Woche im Zivildienst, und eigentlich wäre er als Assistent im regulären Schulunterricht vorgesehen. Jetzt ist alles anders, sicher bis zu den Frühlingsferien. Und eigentlich rechnen alle damit, dass die Schulen auch nach den Ferien nicht wieder öffnen. Eines der drei Mädchen sagt: «Mir ist langweilig.» Schon am ersten Tag.
Sie sei überrascht, wie wenige Kinder für die Betreuung angemeldet worden seien, sagt die Oberurner Schulleiterin Olivia Galliker. Mehr als zehn würden es auch im Lauf der Woche nicht, sagt sie. Und das ist gut, denn: «Je weniger Kinder hier sind, desto grösser ist die Wirkung der Schulschliessung.» Alle Eltern sind über das Wochenende von den Lehrern ihrer Kinder angerufen worden, und vielen sei es offenbar gelungen, eine Betreuungslösung innerhalb der Familie zu finden. Etwa, dass die älteren Geschwister, die ja auch nicht zur Schule gehen dürfen, auf die jüngeren aufpassten. Oder es hätten sich Eltern untereinander organisiert, sagt Galliker.