Die Tavolata, die Barrieren abbaut: Menschen mit Beeinträchtigung kochen für Gäste
von Chiara Schmed
Ein Hauch von Zimt schwebt in der Luft. Ebenso ein Duft von frisch gebackenem Brot, angebratenem Fleisch und Curry. Das Wasser läuft einem im Mund zusammen. In der Küche zischt es. Nicht nur das. Tack, tack, tack. Frisches Gemüse wird klein gehackt. Sossen werden mit einem grossen Schwingbesen gerührt.
Heute ist Mittwochabend, der erste im Monat. Im Restaurant «Loë» heisst das «Inklusive Tavolata». An diesem 1. Mai ist das Thema orientalische Küche. Deshalb auch die vielfältigen Aromen in der Luft. Wer ist dafür verantwortlich? Werfen wir einen Blick in die Küche.
Dort kochen nicht nur gewöhnliche, ausgelernte Köche. Seit 17 Uhr stehen auch acht Menschen mit Beeinträchtigung am Herd. Zwei davon unterstützen sich gerade gegenseitig. Er schöpft mit einem Eisformer eine Portion Falafel und sie formt daraus Bällchen. Stück für Stück. Das wiederholen die beiden einige Male. Es braucht einige Bällchen. Schliesslich werden heute 37 hungrige Gäste erwartet.
Das Kochen für so viele Personen stellt eine Herausforderung für die Menschen mit und ohne Handicap dar. Dennoch meistern sie diese Aufgabe bestens. Und es macht ihnen sichtlich Spass. Einer brät soeben die «Hacktätschli» auf heissem Öl. Er ist bereits zum dritten Mal an der «Inklusiven Tavolata» dabei. Strahlend berichtet er: «Das Kochen hier in der grossen Küche mit den anderen bereitet mir grosse Freude.» Noch grösser sei die Euphorie auf das spätere Nachtessen. «Ich setze mich gerne mit anderen Leuten zusammen und plaudere ein bisschen», führt er aus. Ausserdem habe die letzten beiden Male das Essen ausgezeichnet geschmeckt. Nicht nur ihm, sondern auch den Gästen.