Seit zehn Jahren machen sich die Pilger von Linthal nach Zürich auf den Weg
von Sylvia Thiele
In der Stube von Josef Kohler, den die meisten einfach nur Pepe nennen, hängt ein in leuchtenden Farben gefasstes Glasfenster, das den Blick auf den Zürichsee freigibt. Es zeigt die drei Heiligen Felix und Regula und Exuperantius, deren Diener. Das Bild scheint das Zentrum von Kohlers Stube zu sein. Ganz so, wie auch die Botschaft, die mit dem Geschwisterpaar Felix und Regula verbunden wird, im Leben des ehemaligen Pfarrers aus Glarus Süd eine zentrale Rolle spielt, nämlich das Einstehen für den christlichen Glauben.
Kohler lebt seit einigen Jahren in Stäfa, doch sein Bezug zum Glarnerland ist immer noch lebendig. «Wir haben das zehnjährige Jubiläum des Felix-und-Regula-Pilgerwegs, das muss doch gefeiert werden», sagt er. Am 11. September ist es zehn Jahre her, dass sich die erste Pilgergruppe in Linthal an der Quelle im Tierfehd auf den Weg bis nach Zürich machte und so den Pilgerweg ins Leben rief. Denn im Mittelalter war das Grab dieser Heiligen in Zürich eines der meistbesuchten Pilgerziele Europas.
Mehr als ein Fotobuch
«Sommerferien habe ich mir keine genommen, denn ich wollte unbedingt zum Jubiläum ein Fotobuch herausbringen», sagt der inzwischen pensionierte Pfarrer. Ein Fotobuch als Andenken an jene erste Pilgerreise. Doch aus diesem Projekt ist weit mehr als nur ein Buch mit Erinnerungsbildern geworden. «10 Jahre Pilgerweg Felix und Regula – Vom Fusse des Tödi nach Zürich» lautet der Titel des Buches, das soeben erschienen ist. Es ist reich bebildert und berichtet über die Entstehung des Pilgerwegs, die ersten Pilgerreisen sowie über die zahlreichen Felix-und-Regula-Stationen. Der Initiator des Pilgerwegs hat für das Buch auch Fresken, Ikonen und die alten Gedenkstätten in Zürich aufgenommen und viel Wissenswertes zusammengefügt.
Ganz besonders machen das Buch die zahlreichen persönlichen Stimmen, die darin zu Wort kommen und ihre Gedanken zum Pilgern oder Erfahrungen offenlegen. So schreibt eine Pilgerin: «Die Tage waren trotz Blasen an den Fersen leicht und unbeschwert. Auf dem Weg habe ich das allergrösste Geschenk gefunden – Dankbarkeit für mein Leben.» Und der Franziskaner Hans sagt über das Pilgern: «Wundern Sie sich nicht, wenn Sie auf der Suche nach Gott über das eigene Ich stolpern.»