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Leben & Freizeit

Doch keine Bischofswahl in Chur

Südostschweiz
23.11.2020, 16:31 Uhr
gestern um 16:30 Uhr

In Chur ist heute Montag entgegen der Erwartungen kein Bischof gewählt worden. Wie «kath.ch» schreibt, lehnen die Churer Domherren es ab, aus einer Dreierliste den Bischof zu wählen. Die Liste, die Rom vorgelegt hatte, sei nicht akzeptabel, sagte ein Insider zum Onlineportal.

Laut «tagesanzeiger.ch» ist dies ein einmaliges Ereignis. Auf der Liste, seien die Namen von drei moderaten Geistlichen gestanden: Joseph Bonnemain, Bischofs- und Gerichtsvikar des Bistums, Abt Vigeli Monn von Disentis und der Tessiner Mauro Giuseppe Lepori, der frühere Abt von Hauterive und derzeitige Generalabt der Zisterzienser in Rom.

Zu moderat seien diese Kandidaten für das konservative Domkapitel, schreibt «tagesanzeiger.ch» weiter. Zu wenig in der römisch-katholischen Kirche verankert. Deshalb habe Generalvikar Martin Grichting vorgeschlagen, auf die Liste respektive auf die Wahl gar nicht einzutreten.

Domherren wählen aus einer Dreierliste

Den Regeln nach macht der Papst jeweils einen Vorschlag mit drei Kandidaten. Diese Liste wird Terna genannt. Das Domkapitel mit derzeit 22 mehrheitlich konservativen Priestern wählt daraus den künftigen Bischof von Chur. Nicht so heute. Stattdessen schicken sie die Liste nun zurück nach Rom. Papst Franziskus kann nun selbst den neuen Bischof ernennen. Und das ohne auf die Befindlichkeiten der Domherren Rücksicht zu nehmen, wie es heisst.

Gräben seit drei Jahrzehnten

Das Bistum Chur umfasst die Kantone Graubünden, Schwyz, Uri, Nidwalden, Obwalden, Glarus und Zürich. Auch ohne Bischofswahl ist der Churer Bischofsstuhl derzeit nicht vollständig verwaist. Der Papst setzte im Mai letzten Jahres den Oberwalliser Peter Bürcher als Apostolischen Administrator ein. Bürcher leitet die Diözese, bis ein neuer Bischof gewählt ist.

Der Überfällige

Dass die Bischofswahl in Chur überdurchschnittlich interessiert, liegt daran, dass sich in der Diözese seit über drei Jahrzehnten konservative und liberale Kräfte gegenüber stehen, was zu einer Spaltung führte.

Den Beginn der Grabenkämpfe markierte der frühere Churer Bischof Johannes Vonderach. Er machte den konservativen Geistlichen Wolfgang Haas zum Weihbischof mit Nachfolgerecht. Dadurch wurde das Mitspracherecht des Domkapitels ausgehebelt. Seither ist mit Blick auf eine Bischofswahl immer wieder die Rede von einem Brückenbauer, der Gräben zuschüttet, statt neue aufreisst. (so/sda)

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