Die innere Schatztruhe auffüllen – in der jetzigen Situation besonders wichtig
Als Kind sei er sehr ruhig und introvertiert gewesen, erzählt Gion Duno Simeon am Telefon, während die Worte des 75-Jährigen nur so hervorsprudeln. «Ich war das fünfte von neun Kindern. Obwohl ich immer alles sehr genau beobachtete, verstand ich oft nicht, was in meiner elfköpfigen Familie eigentlich genau vor sich ging.» Simeon wunderte sich damals über so viele verschiedene Charaktere innerhalb ein- und derselben Familie, und mit 15 war für ihn klar: «Ich will Psychologie studieren.» Dies, obwohl seine Familie ein Leben als katholischer Priester für ihn vorgesehen hatte. «In meinem Leben traf ich immer wieder Entscheidungen, die mein Umfeld nicht verstand oder von denen ich manchmal selbst nicht wusste, wohin sie mich eigentlich führen würden», sagt Simeon über sich. Das Thema der Resilienz, der psychischen Widerstandskraft, begleitet ihn sein Leben lang. Als Resilienztrainer möchte er den Menschen aufzeigen, wie sie besser mit Krisen und Widerständen umgehen können.
Der Zweifelmodus ist wie ein Sumpf
Die jetzige Krisensituation ist eine Herausforderung für alle. Menschen, die sich schon immer sehr um ihre Gesundheit gesorgt hätten, seien jetzt noch besorgter, glaubt Simeon. Und solche, die bislang stets davon überzeugt waren, dass auf der Welt immer alles rund laufe, seien vor den Kopf gestossen. «Ich beobachte, dass sich derzeit viele Menschen mit ihren Gedanken und Gefühlen im Zweifelmodus befinden. Es ist eine Art Sumpf, in dem sie sich bewegen. Sie zweifeln alles an, sind verunsichert. Nirgends gibt es eine trockene, sichere Stelle», so Simeon. Wer jetzt in diesem Zweifelmodus hängenbleibe, ihn nicht abschütteln könne, der laufe Gefahr, langsam in eine Depression zu schlittern. «Ein solcher Prozess dauert natürlich mehrere Jahre», erklärt der Psychologe, doch die jetzige Krisensituation könne ein Auslöser dafür sein.