Die Fasnachtstradition Schnitzelbank im Sommer
von Riccarda Hartmann
In einem kleinen Raum mit einem Holztisch und sechs Stühlen in einer Beiz in Chur. Vier der fünf Mitglieder des Organisationskomitees des Schnitzelbankabends treffen sich dort. Es ist Dienstagabend. Sie sitzen, reden und machen Witze. Gefüllte Gläser stehen, Blöcke und ein Laptop liegen auf dem Tisch. Letztere sind bereit, die Notizen festzuhalten, die während der heutigen Sitzung entstehen werden, die zur Planung der Informationsveranstaltung dient, die die Schnitzelbänklerinnen und Schnitzelbänkler am 15. Juni in der Werksatt in Chur halten möchten. Doch davor erzählen sie erst einmal, wie eine Schnitzelbank entstehen kann, was Schnitzelbänkler-Sein für sie bedeutet und wie sie sich die Veranstaltung im Frühsommer vorstellen. Was nämlich mehr einem Treffen gleichen soll.
Wie eine Schnitzelbank entsteht, ist von Gruppe zu Gruppe unterschiedlich. Denn ein Rezept gibt es nicht. Man kann die Verse musikalisch begleiten, was aber nicht zwingend ist. Also, wie sieht eine Entstehung denn bei den OK-Mitgliedern aus? Zuerst beginnt die Themensuche. Für die folgen die Gruppen gleichen Kriterien. Unter anderem muss das Thema auch noch im Februar aktuell sein oder zumindest bei den Leuten schnell wieder aus der Erinnerung auftauchen. Bei Corsin Bargetzi und den «Buccas bletschas» ist ein Kriterium, dass sie mit ihren Bänken auch immer regionale, nationale und internationale Themen abdecken. «Ich sammle das ganze Jahr durch Zeitungsartikel mit Themen, bei denen ich denke, dass sie noch aktuell sein könnten», sagt Edith Fischer von den «Churer Schnudergoofa». Und manchmal können sie dann auch etwas Vergangenes mit etwas Aktuellem koppeln.
Man möchte die Leute unterhalten
«Anstatt Zeitungsausschnitte zu sammeln, mache ich ein Foto von potenziellen Themen und schicke es in den Gruppenchat», meint Beat Philipp von den «Schnitzelpunks». Manchmal habe jemand einen Reim oder ein Wortspiel im Kopf, von dem er denke, dass man es eventuell in einen Vers verpacken könne. Dann mache man sich Notizen. Zu einer Schnitzelbank könne man über das Thema oder auch über den Gag kommen, meint Beat Philipp. Es könne einfach lustiger Nonsense sein, manchmal wolle man jemanden damit sticheln, man könne auch politisch oder gesellschaftskritisch sein. Es sei auch legitim, einen Witz im Internet zu googeln und eine Schnitzelbank darauf aufzubauen, meint er. Am Ende zähle das, wofür der Schnitzelbankabend da ist: «Man möchte die Leute unterhalten».