«Die Angst ist in der Erziehung ein Tabuthema»
Die in Benken wohnhafte Karin Zink ist spezialisiert auf das Thema Kinderängste. Die Coronakrise im Allgemeinen und insbesondere der heutige Schulstart könnten die Kinder belasten, sagt Zink. Als Psychosoziale Beraterin, langjährige Kindergartenlehrerin und Psychomotorik-Therapeutin gibt sie Tipps, wie Kinder die Angst bewältigen können.
Karin Zink, die Angst treibt unsere Gesellschaft in den letzten Wochen um. Wie sieht das bei Kindern aus?
KARIN ZINK: Zurzeit kommen Kinder deswegen in die Beratung. Sie haben teils Angst, rauszugehen wegen einer Ansteckung, oder wachen in der Nacht nach Angstträumen auf. Seit bekannt ist, dass die Schulen öffnen, berichten einige Kinder und Eltern vermehrt von solchen Träumen.
Müsste die heutige Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts nicht für viele Schüler eher ein Freudentag sein?
Das ist ihnen zu wünschen, denn sie sehen wieder ihre Schulkameraden. Bestimmt gibt es aber auch jene, die ängstlich sind, weil ihnen noch nicht alle Regeln der Schule bekannt sind. Zudem gibt es auch bei den Eltern Unklarheiten. In Benken gilt trotz Angrenzung zu den Kantonen Schwyz und Glarus nicht das Gleiche.
Sie sprechen die kantonalen Regelungen zu Halb- und Vollklassen-Unterricht an.
In St. Gallen sind viele Eltern damit nicht so glücklich. Denn die einzelnen Schulgemeinden gehen wiederum den Halbklassen-Unterricht unterschiedlich an. Für meine Kinder in Benken bedeutet das, dass sie jede Woche an anderen Tagen Schule haben. Organisatorisch ist das eine enorme Herausforderung – gerade für Berufstätige oder Alleinerziehende. Dass es jede Woche einen anderen Stundenplan gibt, sorgt für Diskussionen – und Ungewissheit.
Überträgt sich diese Ungewissheit auf die Kinder?
Das kann sehr gut der Fall sein. Wir Eltern sind Vorbilder. Wir sind gewissermassen ein Kompass, den Kinder brauchen, um sich zurechtzufinden. Es kommt also sehr stark darauf an, wie sich die Eltern verhalten. Es gibt viele Faktoren, die nicht förderlich sind für eine angstfreie Entwicklung der Kinder. Zum Beispiel: Hamsterkäufe, Ängste vor einer Erkrankung in der Familie, partnerschaftliche Probleme oder eine finanzielle Notlage.