Der Unistart ist manchmal hart
Von Lexy
Naja. So ernst wie das Studentenleben halt so ist. Nachdem das gesamte letzte Semester ab März nur online stattgefunden hatte, vermisste ich den farbenblind-machenden Gummibärlisaal der Universität Zürich und die Aura aus Kaffee, Stress, rumschwebendem Wissen und Müdigkeit fast ein bisschen. Aber die Uni ist ja auch nicht mehr das, was sie einmal war.
Neu gibt es nämlich nicht nur hybride Autos, sondern auch hybride Universitäten. Das tönt modern, innovativ und nach einer fancy Sache. Hybride Studiengänge sind – Fazit nach einer Woche – leider nicht ganz so cool.
Wobei das zugegebenermassen vielleicht nicht immer nur an der Uni liegt. Die Tatsache, dass ich inzwischen ein einigermassen aktuelles iPhone, ein iPad und einen Laptop besitze, ändert nichts an meinem inneren digitalen Neandertaler. Noch dazu bin ich als Chaosqueen schon im reellen Leben, wo man die Dinge noch anfassen kann, heillos mit meiner Unordnung überfordert. In der digitalen Welt funktioniert das entsprechend katastrophal. Die Kurzfassung: Auf meinem Desktop sind so viele Dateien abgespeichert, dass ich gar nicht mehr alle sehe und ich bin der absolute Profi im Passwörter neu aufsetzen. Meine drei Microsoft-Konten, zwei Zoom-Accounts und drei Dropbox-Benutzernamen blockieren sich immer mal wieder gegenseitig, wenn ich wieder die alten Passwörter verwende oder das Zeugs vertausche. Alles was nicht gerade mit seriösen Dingen wie Arbeit und Steuern zu tun hat, fliegt halt irgendwo in diesem digitalen Weltall herum.
Dementsprechend überfordert war ich während meines ersten Seminartreffens über eines dieser einschlägigen Videokonferenz-Tools. Nachdem ich sage und schreibe 15 Minuten lang verwirrt und ahnungslos irgendwelche E-Mail-Adressen angegeben, Passwörter erfunden, Datenschutzbestimmungen bestätigt, Codes eingegeben und gefühlt im Google-Hauptsitz nach der Besenkammer gesucht habe, gelangte ich endlich (natürlich mit inzwischen zehn Minuten Verspätung) in das virtuelle Vorzimmer.
Einfach mal in den Vorlesungssaal reinhuschen und diskret die Unterlagen auspacken, kann man bei diesem digitalen Zeugs vergessen. Dank der chinesisch-amerikanischen Überwachungs- und Kontrollmentalität muss der Dozent jeden verpeilten und verspäteten Studenten einzeln in diesen Raum reinlassen. Türsteher in Clubs sind harmlos dagegen.