Der Hund ist Herrscher und die Katze Chef
Für manche waren sie während des Lockdowns die einzig übrig gebliebenen Gschpänli für einen Netflix-Abend: Haustiere. Kein Wunder haben gewisse Menschen angefangen, mit ihren Katzen, Hunden, Schildkröten oder Hamstern zu sprechen. Zum guten Glück ist das kein Zeichen dafür, dass man verrückt ist. Im Gegenteil: Es zeugt von sozialer Intelligenz. Kritisch wird es bloss, wenn du das Gefühl hast, dass dein Haustier dir antwortet. Dann würde ich mich langsam auf den Weg zu einem Spezialisten machen. Und damit meine ich nicht einen Tierarzt.
Wenn man darüber nachdenkt, dass Menschen freiwillig irgendwelche Lebewesen durchfüttern, die einem eigentlich nichts zurückgeben, sind Haustiere schon etwas Komisches. Einmal abgesehen davon, dass Hunde und Katzen gut für das Immunsystem und gegen Allergien sind, könnte man sich doch auch einfach ein flauschiges Kissen besorgen und hin und wieder eine Spotify-Playlist mit miauenden Katzen anhören. Braucht man keinen Sitter in den Ferien und kostet nix.
Wenns um unsere Mitmenschen geht, begutachten die meisten jede Erhöhung von irgendwelchen Abgaben kritisch. Aber Haustiere, alias die grössten Schmarotzer schlechthin, werden geimpft, gechipt und durchgefüttert. Vor allem grössere Kaliber wie Pferde oder Ponys fressen einem nicht nur den Apfel aus der Hand, sondern auch gleich noch die Haare vom Kopf. Einem wiehernden Freizeitgefährten, bettelnden Hundeblick oder einer schnurrenden Katze kann eben niemand widerstehen.
Vor allem Hunde wurden während Coronazeiten in gewissen Teilen von Europa ein Trendaccessoire und Lebensretter gegen Lagerkoller. Schliesslich waren sie neben dem Gang zum Lebensmittelgeschäft einer der wenigen Gründe, wieso man überhaupt noch aus dem Haus gehen durfte. Würde mich nicht erstaunen, wenn man sich in gewissen Wohnblöcken gegenseitig den Hund vermietet hätte, bloss um einen Moment frische Luft zu schnappen. Das schöne bei Hunden: Sie sind treu und machen, was man will. Solange man sie richtig erzogen hat.