Das Pestizid-Problem im Trinkwasser haben nur die andern
Seit etwa 50 Jahren wird das Pestizid mit dem komplizierten Namen auf Schweizer Feldern genutzt, um Getreide und Gemüse vor Pilzbefall zu schützen. Das Mittel gelangte so in das Grundwasser, woher viele Regionen der Schweiz ihr Trinkwasser beziehen. Mittlerweile ist auch bekannt, dass das Pestizid Krebs verursachen kann, wie der «Tages-Anzeiger» schrieb.
Seit dem 1. Januar 2020 ist die Nutzung von Chlorothalonil in der Schweiz verboten. Doch die Folgen verschwinden nicht von heute auf morgen. «Es gibt Altlasten. Im Falle von Chlorothalonil werden sie noch Jahre nach dem Verbot im Wasser nachweisbar sein», wird der Bündner Otmar Deflorin, Kantonschemiker von Bern, zitiert.
In Graubünden und Glarus keine Probleme bekannt
Betroffen von diesem Chlorothalonil-Problem ist aktuell vor allem der Kanton Bern. «In Graubünden und Glarus ist bisher nicht bekannt, dass Trinkwasserfassungen Probleme mit diesem Pestizid haben», erklärt Matthias Beckmann, Kantonschemiker von Graubünden, der auch für Glarus zuständig ist. «Wir nehmen regelmässig am Grundwasseruntersuchungsprogramm des Bundesamtes für Umwelt teil. Da ist Chlorothalonil auch Bestandteil der Untersuchung. Hier konnte dieses Pestizid bisher aber nie nachgewiesen werden.»
Insofern könne man Entwarnung geben. Grund dafür sei vermutlich auch, dass in der Südostschweiz der ökologische Landbau sehr grossgeschrieben wird. Dieser verbiete die Nutzung des Pestizids ohnehin seit langem, erklärt Beckmann.
Anforderungen an Trinkwasser werden nicht immer erfüllt
Bei den Wasserkontrollen sind es in der Südostschweiz jährlich ein bis drei Prozent der Proben, die den Anforderungen an Trinkwasser nicht genügen. Problematisch seien bisher aber nie Pestizidrückstände, sondern es gehe um die mikrobiologische Qualität. «Unser Problem hier in Graubünden und Glarus ist ein wenig der Geografie und Topografie geschuldet. Wir haben viele Quellfassungen und nur wenige Grundwasserfassungen», erklärt Beckmann.