«Das Gespräch mit den Patienten ist das A und O»
Das Wetter an diesem Morgen im Mai lädt dazu ein, es sich auf den breiten Ledersesseln im Klinik-Lesesaal gemütlich zu machen: kühl und regnerisch. Während Jan Signorell selbst Platz nimmt und für einmal von sich erzählt, geht es ihm künftig darum, vertrauensvolle Gesprächssituationen für seine Patienten zu schaffen. Der 45-Jährige wird ab September Chefarzt Kardiologie an der Rehaklinik in Seewis. Die Basis für eine gute Zusammenarbeit mit den Patienten sieht der Herzinsuffizienz-Spezialist auf der psychologischen Ebene: «Sich Zeit zu nehmen für den Patienten, ihm zuzuhören, was ihn alles beschäftigt, das lohnt sich sehr. Mit einem guten Gespräch lässt sich vieles erreichen.»
Als Unbekannter in Chur eine Praxis eröffnet
Seit 2011 führt Signorell im medizinischen Zentrum Gleis D in Chur eine eigene Praxis für Kardiologie. «Ich habe praktisch aus dem Nichts diese Praxis eröffnet», erzählt Signorell und lacht. Nach Ausbildungsstationen in der Ostschweiz und in Bern wollten seine Frau und er in die gemeinsame Bündner Heimat zurückkehren. Im Gleis D eine Praxis zu eröffnen, wo viele verschiedene medizinische Spezialisten aufeinandertreffen, diese Idee habe ihm gefallen, so Signorell. «Aber damals kannte mich hier noch niemand. Ich hatte noch nicht in Graubünden gearbeitet.» Die Praxiseröffnung habe Mut verlangt und sei eine Reise ins Ungewisse gewesen, erinnert sich Signorell. «Doch bereut habe ich es nie.»
Signorell baute sich Schritt für Schritt ein Netzwerk auf, der Patientenstamm wuchs. Aber immer nur so stark, dass die Praxistage nicht mit Terminen überfüllt waren. «Sonst kommt das zu kurz, was ich als so wichtig erachte: Zeit für ein umfassendes Gespräch mit dem Patienten.» In einem solchen Gespräch ist Signorell oft nicht nur Kardiologe, sondern auch ein bisschen Ernährungsberater, Psychologe und Sportlehrer. «Ich frage die Patienten oft nach der Ernährung, gebe ihnen Empfehlungen für sportliche Aktivitäten. Denn ich habe schon oft erlebt, dass kleine Verhaltensänderungen grosse Wirkungen auf die Gesundheit haben.» Dass er das, was er predigt, auch selbst umsetzt, bestätigt seine Erscheinung: schlank und vital. Er jogge gerne, sagt Signorell über sich, habe früher auch immer wieder Wettkämpfe bestritten. Aber nicht nur aus Freude an der Bewegung hält er sich an seine eigenen Verhaltensregeln. «Ich hätte ein schlechtes Gewissen, wenn ich anderen Leuten Empfehlungen abgebe, die ich selbst nicht umsetze. Sich ausgewogen ernähren, genügend bewegen, nicht rauchen – es sind simple Dinge, die das Herz gesund halten», hält Signorell fest.