Damit hat niemand ein Kreuz
von Hans Speck
Der diesjährige «Chrüüzmärt», wie die Netstaler sagen, lockte viele Leute auf den Sekundarschulhausplatz oder in die Mehrzweckhalle. In den letzten Jahren hat sich dort eingebürgert, dass sich verschiedene Jahrgänge zu einem gemütlichen Klassentreffen einfinden.
So auch am Donnerstagnachmittag. Die Halle war «pumpenvoll», und da und dort hörte man: «Jä, gitts dich ä nuch?» oder «läck, häsch du zuegnuu sitt em letschtämal.»
Der örtliche gemeinnützige Frauenverein sorgte in der «Kafistubä» für das leibliche Wohl der vielen Gäste, und in der Küche strichen ebenfalls Mitglieder dieses Vereins «Zigerbrüüt», was das Zeug hielt. Der Reinerlös ist jeweils für karitative Zwecke gedacht.
Die Netstaler Jugend, die immer am Kreuzmarktnachmittag schulfrei hat, vergnügte sich indessen beim Kinderkarussell oder auf der Trampolinanlage. Zahlreiche Marktfahrer verkauften Krimskrams, und mit zunehmender Dunkelheit füllten sich auch die Bar-Rondelle auf dem Primarschulhausplatz.
Sogar der Glarner Gemeinderat hält dem traditionellen Gämspfefferessen die Treue und trifft sich jeweils in einem Restaurant mit ehemaligen Netstaler Amtskollegen zu einem gemütlichen kulinarischen Stelldichein.
Zeremonien um Reliquien
Das Fest der Kreuzerhöhung feiern Katholiken in der ganzen Schweiz immer am 14. September. Von diesem Fest leitet sich denn auch der Name «Kreuzmarkt» ab. In den meisten Fällen, aber eben nicht immer, findet der Netstaler «Chrüüzmärt» am dritten Donnerstag im September statt. Die Netstaler Bevölkerung pflegt damit einen uralten Brauch.
Denn das Fest der Kreuzerhöhung hat seinen Ursprung in der Zeit von Kaiser Konstantin. Dieser liess an der vermutlichen Stelle der Kreuzigung und Grablegung Christi die Grabeskirche bauen, die gemäss Überlieferung am 13. September im Jahr 335 eingeweiht wurde. In dieser Kirche sollen auch grosse Teile des Kreuzes Christi aufbewahrt worden sein.