Comeback nach 38 Jahren
Skifahren hat mich als Kind nicht wirklich begeistert. Die Skier waren zu lang, das mühsame Hinaufstapfen an «Tomisch Rain» empfand ich als Tortur und dass ich dann immer wieder aus dem Bügellift fiel, tat das Seinige dazu. Nach einem Sturz verstauchte ich mein Bein und machte mit Skifahren Schluss. Ich war zehn Jahre alt. Die Schulzeit schloss ich als Aussenseiter ab, einer von den wenigen, die nicht Ski fuhren.
Mein Freund Fredy, begeisterter Langläufer, überredete mich ein paar Jahre später, als wir dieselbe Lehre absolvierten, ihn mal einen Nachmittag auf den schmalen Latten zu begleiten. Es sei ganz einfach, meinte er. In zwei Stunden kamen wir aber nur bis zur Aeujer Brücke. Beim zweiten Versuch biss ich durch und erreichte die Alp Garfiun. Von da ging ich jahrelang langlaufen. Unvergesslich sind mir die stillen Morgen durch den frisch verschneiten Tannenwald entlang der Landquart hinein, dann bei Pardenn das dankbare Blinzeln in die wärmende Sonne.
Dann, mit 20 Jahren, bei einer Fahrt einen Hügel hinunter, dachte ich, dass mir das eigentlich auch gut gefallen würde, es einfach sausen zu lassen. Meine Kolleginnen Isabelle und Chrigla brachten mir dann das Skifahren bei. Aber das ist eine andere Geschichte.
Letztes Wochenende folgte ich dann dem «Marschbefehl» meiner Familie und gab das Comeback auf den Langlaufskiern.
Grosses Staunen im «Gotschna Sport» – in der Zwischenzeit hat sich in der Technik doch auch einiges getan. Die Schuhe, weich wie Finken, die Skier leichter, als ich sie in Erinnerung hatte.
Die Kinder und meine Frau hatten die Skier natürlich schneller montiert als ich und liefen bereits am Snowgarden vorbei, als ich endlich in die Gänge kam. Wie ging das nochmals? Die Arme nach vorne und kräftig abstossen – pardauz! «Chönnd mr ihne hälfe?» fragte mich ein freundliches Ehepaar, die meinen wohl sichtbaren Unmut über das verlorene Können und die schlecht gealterte Kondition wohl für ein schmerzverzerrtes Gesicht hielten. Ich beruhigte sie, mein Sturz habe schlimmer ausgesehen, als er gewesen sei.