Künstliche Intelligenz lässt chatten statt denken
von Ronja Dürst
Statt über Wochen hinweg eine Arbeit zu schreiben, in kürzester Zeit ohne Aufwand das gewünschte Ergebnis in den Händen halten. Dies ist mit dem Chat-GPT möglich. «Während des Unterrichts haben mein Banknachbar und ich das Programm benutzt. Wir haben so lange Fragen gesendet, bis eine Limite erreicht wurde und der Chat keine Antworten mehr gegeben hat», berichtet Nils Muszong, der die Kantonsschule Glarus besucht. Der Chat sei weitaus schneller und konkreter als Google, da er anders als die Suchmaschine eine ausführlichere Antwort statt mehrere Seiten anzeige, so Muszong. Er selbst kenne einige, die das Programm aus Spass verwendeten. Es sei neu und interessant, man wolle Grenzen des Programms austesten, erklärt er.
Der Maturand zeigt sich kritisch: «Viele werden nicht mehr selber denken. Im kreativen Bereich hält der Chatbot nicht mit, denn Songtexte beispielsweise werden an Herzblut verlieren.» Das Programm könne das Leben auch zu einfach machen. Es sei wichtig, sich nicht nur auf das Programm zu verlassen, sondern sich auch Hintergrundwissen anzueignen, so Muszong.
Schulen werden aufmerksam
Die Schulen sind mittlerweile auf das Missbrauchspotenzial der Künstliche Intelligenz (KI) sensibilisiert und achten vermehrt auf mögliche Fälschungen. So geht die Schulleiterin der Kaufmännischen Berufsfachschule Glarus (KBS), Regula Tanner, davon aus, dass ihre Lernenden das Programm bereits im Unterricht verwenden. Aber sie ist sich bewusst: «Auch vor dem Chat war nicht jeder Text über alle Zweifel erhaben. Faire Prüfungssettings mit Chancengleichheit müssen nach wie vor gewährleistet bleiben.»
Bisher sind die Auswirkungen auf den Unterricht noch unklar. Regula Tanner sagt: «Wie allfällige Änderungen in der Unterrichtsgestaltung wie auch in Prüfungssituationen für die KBS aussehen, kann ich momentan nicht sagen. Die Thematik wird mit den anderen weiterführenden Schulen im Kanton besprochen und abgestimmt.» Für den Deutschunterricht beispielsweise werde über mögliche Anpassungen der Prüfungsaufgaben gesprochen.