Die unsichtbare Gefahr: Wie Littering die Landwirtschaft in Bedrängnis bringt
von Andri Dürst
Der Bauernhof – ein Ort der Idylle. Dort, wo die Natur noch Natur ist. So ist es auch auf dem Hof von Thomas Roffler im Gebiet Überlandquart, oberhalb von Grüsch. Schnee liegt hier keiner mehr, aber so richtig frühlingshaft ist es auch noch nicht. Aber auch das ist Natur. Doch die Idylle wird zuweilen getrübt. Dann nämlich, wenn Abfälle oder Hundekot auf den Weiden landen. Erst gerade heute Morgen habe er ein «Fötzali» auflesen müssen, sagt der Landwirt. Er ist zugleich Präsident des Bündner Bauernverbands und stellt sich an einem sonnigen Dienstagmorgen zu Hause den Fragen der «Büwo».
Ganz so einfach ist es allerdings nicht, zum Thema «Littering» gescheite Fragen zu stellen. Denn eigentlich sollte das korrekte Entsorgen von Müll eine Selbstverständlichkeit sein. Doch das ist es für viele Leute offenbar immer noch nicht. Am schlimmsten sei die Situation an den Hauptverkehrsachsen, etwa an der Prättigauerstrasse unten im Tal, meint Thomas Roffler. «Es ist wahnsinnig, was Autofahrer und -fahrerinnen alles wegwerfen.» So sei vom Karton über den Joghurtbecher bis hin zur Fast-Food-Verpackung vieles dabei. Am gefährlichsten seien aber Aludosen. «Für uns von der Landwirtschaft ist das Schlimmste. Wenn solche Dosen ins Mähwerk kommen, entstehen feine, scharfe Metallteile. Frisst nun eine Kuh Gras mit solchen Metallteilen, hat dies oft schlimme innere Verletzungen zur Folge.» Problematisch sei dies vor allem bei sogenannten Futtermischwagen, wo eine vollwertige Nahrung für das Vieh gemischt werde. «In solche Mischungen sieht man die Abfallteile dann gar nicht mehr», weiss der Bauernpräsident.
Abfall in der Natur – ein Problem mit Langzeitfolgen
Doch nicht nur für die Tiere, sondern auch für die Böden hätten liegen gelassene Abfälle Konsequenzen. «Wenn zum Beispiel eine PET-Flasche auf einer Futterbau- oder Ackerfläche landet, hat das Konsequenzen: Diese Böden werden gepflegt und so etwa mit einem Pflug bearbeitet. Dadurch gelangen die Plastikteile dann in den Boden und bauen sich dort ab. Daraus entstehen dann klassische Altlasten-Probleme. Unter anderem gelangen so gesundheitsschädliche PFAS, also synthetische Industriechemikalien, in die Erde.» An sich seien weggeworfenes Papier und Karton weniger schlimm, weil diese Stoffe schneller verrotten würden. «Doch die Beschichtungen sind problematisch, wo wiederum viele Chemikalien drin stecken.»