Bienen unter Heimatschutz
Die Sextouristinnen reisen aus der ganzen Schweiz an, verpackt in kleine Styroporkisten. Ihre Ziele tragen die wenig romantisch klingenden Namen M01 und M42 und liegen abgelegen im Krauchtal und an der Strasse nach Obererbs. Dort angekommen, werden die Kisten noch etwas das Bord hochgetragen und dann auf Metallstelen festgezurrt. Wie winzige Chalets auf Stelzen verteilen sie sich am Hang und bilden ein surrendes Bergdörflein voll paarungsbereiter Bienenköniginnen.
Diese kriechen bald aus den Kistchen und fliegen davon, um sich im Flug von den männlichen Bienendrohnen begatten zu lassen. Denn die Drohnen, die bei den Belegstationen M01 und M42 im Kleintal herumschwirren, haben etwas, das man in ganz Europa nur noch äusserst selten findet: Sie tragen das unverfälschte Erbgut der europäischen Ur-Honigbiene in sich. Es sind Dunkle Bienen. Diese harren im Glarnerland aus wie Asterix’ Gallier in ihrem Dorf, umringt von Invasoren.
«Zu Unrecht schlechten Ruf»
Robert Knobels Dunkle Bienen sind gut gelaunt, als er an diesem sonnigen Vormittag im September den Bienenkasten öffnet und nach ihnen schaut. Jedenfalls attackieren sie den Eindringling nicht sofort. Dabei gelten die Dunklen Bienen als aggressiver als andere Bienenrassen. «Im T-Shirt imkert bei uns niemand», sagt Knobel. «Aber ihren schlechten Ruf haben unsere Bienen zu Unrecht.» Als Zuchtleiter ist er für die Belegstation der Glarner Imker in Elm zuständig. Seine eigene Imkerei liegt an der Strasse nach Schwändi.
Die Dunkle Biene sei dem Lebensraum im Glarnerland hervorragend angepasst, sagt Knobel. Sie ist wetterfest und lebt haushälterisch. Den Glarner Winter übersteht sie ohne Probleme, und sie fliegt schon bei tiefen Temperaturen aus, um Nahrung zu suchen. Und wird diese knapp, spart sie ihre Kräfte und brütet weniger. Seine Dunklen Bienen produzieren in guten Jahren zwar weniger Honig als andere Arten. «Dafür gibt es in schlechten Jahren keine Nullrunden», sagt Knobel. Trotzdem sind die Dunklen Bienen unter Druck.