Beim bösen Schlund gehts in den Berg
Gulatsch. Das Wort verrät schon viel. «Gula», romanisch für «Gurgel» oder auch «Tobel», verschlimmert um die abwertende Endung «-atsch» zum bösen Schlund: Die Stelle in der wilden Val Schmuér zwischen Rueun und Andiast ist kein liebliches Örtchen. Auch der Pfad endet dort abrupt in den Felsen über dem Schmuérbach, der Pfad zu den Minas da Gulatsch. Eine gottverlassene Ecke. Und doch gab es eine Zeit, in der in diesem Gebiet ein geschäftiges Treiben herrschte, ein Treiben, das auch für das nahe Dorf Rueun Folgen hatte, gute und weniger gute. Die Erzstollen im bösen Schlund: Ab 1805 wurden dort Eisen-, Blei- und Silbererz kommerziell abgebaut, durch eine französische Firma. Gut zwei Jahrzehnte lang, dann war Schluss, das Geschäft rentierte kaum. Was geblieben ist, sind zwei Minen im Fels, rund 40 Meter lang die eine, etwa doppelt so lang die andere, beide für viele Jahrzehnte praktisch vergessen.
Ursula Brändli Capaul zündet die Lampe ihres Smartphones an. Eine halbe Stunde lang sind wir vom neu erstellten kleinen Parkplatz nach der Abzweigung von der Panixerstrasse ins Tobel hinein gewandert, vorbei an familiengerechten Infotafeln, einem Gedächtnisspielposten, zwei Schatztruhen mit interaktiven Lerninhalten, einem Rastplatz mit gedeckter Sitzmöglichkeit und dem Nachbau eines Haspelzugs, wie er einst gebraucht wurde, um Erzgestein aus tiefen Schächten an die Oberfläche zu holen. Alles Elemente des neu erstellten Themenwegs Minas da Gulatsch, den der von Brändli Capaul präsidierte Verein Rueun Viva zusammen mit der Gemeinde Ilanz/Glion und Surselva Tourismus realisiert hat, mit einem Budget von 150’000 Franken. Jetzt steht das Angebot für Familien und Bergbauinteressierte kurz vor der Eröffnung, ab dem 27. Juni ist der Pfad frei zur Begehung, und auch erste Führungen sind im Juli und August bereits geplant.