Bei Hektik und Konzentrationsmangel wird es gefährlich
Die meisten Unfälle passieren nicht auf der Strasse oder bei der Arbeit, sondern in den eigenen vier Wänden – also dort, wo wir uns in der aktuellen Situation vermehrt aufhalten. Im ersten Halbjahr 2020, also während des ersten Shutdowns, verzeichnete die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) «aussergewöhnlich viele Unfälle», wie Mediensprecher Marc Kipfer gegenüber Radio Südostschweiz sagt.
Mehr Verletzungen beim Heimwerken oder bei der Gartenarbeit und nicht zuletzt auch deutlich mehr Unfälle beim Kochen hat die BFU verzeichnet. Bei solchen Haushaltsunfällen spiele häufig die Müdigkeit eine Rolle, sagt Kipfer. Denn wer kennts nicht: Nach einem langen Home-Office-Tag gehts oft direkt in die Küche, wo wir Gemüse schnippeln und gleichzeitig noch ein bisschen etwas im Haushalt machen wollen. «Bei Hektik und Konzentrationsmangel wird es gefährlich.»
Neue Routinen, weniger Unfälle
Auch in anderen Bereichen beobachtet die BFU eine Verschiebung der Unfälle. Würden mehr Leute spazieren oder wandern gehen, seien dort natürlich auch mehr Unfälle festzustellen. Im Teamsport hingegen gingen die Verletzungen zurück – logisch, wenn der Teamsport seit einigen Monaten gar nicht mehr stattfinden kann. «Wir sehen, dass die Leute neue Routinen angenommen haben», sagt Kipfer.
Trotz dieser neuen Routinen verzeichnet die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva) insgesamt einen Rückgang der Unfallzahlen im vergangenen Jahr. Mediensprecherin Natascha Obermayr sagt, dass das aber nicht nur mit Corona zu tun haben könnte. «Die Entwicklung von Unfallzahlen unterliegt immer verschiedenen Einflüssen. Die Witterung ist zum Beispiel ein Faktor.» So gebe es in einem schneearmen Winter weniger Unfälle. Und auch die Situation auf dem Arbeitsmarkt widerspiegelt sich in den Zahlen: «Steigen die Arbeitslosenzahlen, gibt es mehr Unfälle.»