Ein Schutzbau für das archäologische Juwel von Tomils scheint möglich
Von 1994 bis 2011 haben archäologische Ausgrabungen in Tomils die bis dahin unbekannte Kirchenanlage Sogn Murezi zutage gefördert. Schon während der Untersuchungen vor Ort wurde die Stätte zu ihrem Schutz provisorisch überdacht. Die Konstruktion aus Wellblech und Holz steht bis heute über der in ihrem erhaltenen Bestand schweizweit einzigartigen Kirchenruine aus der Zeit um 700 nach Christus. Allerdings: Die Flur Sogn Murezi, zu Beginn der Ausgrabungen noch am Rand des Dorfs gelegen, befindet sich heute mitten in einem Wohnquartier. Dass das Bauprovisorium «keine Augenweide» ist, weiss auch der Bündner Kantonsarchäologe Thomas Reitmaier. «Ausserdem fragen sich vermutlich viele, was sich darunter verbirgt.» Deshalb hat der Archäologische Dienst Graubünden (ADG) am Samstag gemeinsam mit der Gemeinde Domleschg und der katholischen Kirchgemeinde einen Tag der offenen Ausgrabung durchgeführt. Auch, um die Zukunft von Sogn Murezi zu thematisieren.
Schutzbaute soll das Herzstück der Kirchenanlage überspannen
Was aus dem archäologischen «Juwel» werden soll, ist nämlich schon seit Jahren ein Thema. Aufgrund des nationalen Schutzstatus, den die Kirchenruine geniesst, gibt es nur zwei Optionen: alles wieder mit Erdmaterial überdecken – oder einen Schutzbau errichten. «Wir haben mit der Gemeinde und der Kirchgemeinde in den letzten zwei Jahren vertieft angeschaut, wie mit der Ausgrabung umgegangen werden soll», erklärt Reitmaier. Die Erkenntnisse aus einem Expertentreff mit Archäologinnen und Archäologen, die bereits Erfahrungen mit Schutzbauten gemacht hätten, habe schliesslich als Basis für den nächsten Schritt gedient: Gemeinsam mit der Gemeinde und der Denkmalpflege hat der ADG bei Architekt Marcel Liesch ein Vorprojekt für eine solche Baute in Auftrag gegeben.
Dieses Vorprojekt liegt mittlerweile vor. Der treppenartig gestaffelte Schutzbau würde das Herzstück der Kirchenanlage überspannen, um dieses zu bewahren und weiterhin zugänglich zu machen. Es sei kein betreutes Museum vorgesehen, so Reitmaier, «so ein Schutzbau muss ohne Betreuung funktionieren», aber die Geschichte von Sogn Murezi solle mit geeigneten Mitteln erzählt werden. «Die Ausgrabung ist sehr gut aufgearbeitet und kann damit auch gut vermittelt werden. Und natürlich hat Sogn Murezi aus wissenschaftlicher Sicht eine einzigartige Qualität.»