Amoklauf an Schule: «Gewalttaten gehen immer Warnsignale voraus»
Amokläufe an Schulen sind in der Schweiz kaum ein öffentliches Thema. Dem Kanton Graubünden ist das Thema dennoch nicht neu. Auf Anfrage von suedostschweiz.ch gab Regierungspräsident Jon Domenic Parolini zwar an, dass sich Bündner Schulen mit der Thematik «Amoklauf» befassen und man an der Bündner Kantonsschule auch über die entsprechenden technischen Einrichtungen verfüge, er schätzt die Gefahr eines Amoklaufs an einer Bündner Schule aber als gering ein. Dennoch habe man den privaten Mittelschulen der Sekundarstufe II empfohlen, ein Frühwarnsystem einzurichten.
Dass ausgerechnet die Kantonsschule in Chur bereits über das System E-ALARM (eine von einem Telekommunikationsanbieter eingekaufte Dienstleistung) sowie spezielle Türverriegelungssysteme verfügt, ist kein Zufall. Das lokale Gymnasium wurde in der Vergangenheit mit kritischen Situationen konfrontiert, bei denen auch die Polizei hinzugezogen werden musste. Einen Zwischenfall der einem Amoklauf ähnlich ist, gab es bisher aber nicht.
Zum offiziellen Ablauf bei einem Amoklauf an einer Bündner Schule wollte sich Parolini nicht äussern. Philippe Benguerel, Konrektor der Bündner Kantonsschule, erklärt auf Anfrage: «Im Amok-Fall können wir parallel zur internen Alarmierung über E-ALARM schnell und effizient die Blaulichtorganisationen alarmieren.» Mit vorbereiteten Checklisten für verschiedene Funktionen der Notfallorganisation will man in einer ersten Phase von 10 bis 15 Minuten nach Eintreten auf ein Ereignis reagieren können.
«Bedrohungsmanagement» als Basis für ein friedliches Miteinander
Im Kanton Glarus hingegen setzt man komplett auf Prävention. Das Stichwort hierbei ist «Bedrohungsmanagement». Laut Regierungsrat Benjamin Mühlemann sei das oberste Ziel die Sicherheit an den Schulen. Niemand soll Angst haben müssen. «Es geht darum, potentielle Gefahren möglichst früh zu erkennen. Das Risiko wird abgeschätzt und die Situation bei Bedarf entschärft.» Seine Theorie: «Gewalttaten gehen immer Warnsignale voraus, und genau dort setzt das ‹Bedrohungsmanagement› an.»