Als «Tödi-Greina» die Bahn in den Süden werden sollte
von Killian Oberholzer
Für Graubünden war der Verkehr über die Pässe seit jeher von grösster Bedeutung. Es sind die Pässe Oberalp, Lukmanier, San Bernardino, Splügen, Julier, Septimer, Maloja, Bernina, Albula, Ofen, Umbrail (Wormser Joch), Flüela, um nur die noch heute befahrenen Übergänge zu nennen. Der Säumerverkehr, später die Postkutschen brachten Arbeit und Verdienst ins Land. Die Bevölkerung hatte vielfältige Kontakte zur weiten Welt. Luzi C. Schutz behandelt in seinem Werk «Ostalpenbahn – Geschichte eines langlebigen Bünder Verkehrsprojekts» die Bemühungen um die Realisierung einer Eisenbahn-Nord-Süd-Verbindung durch den Kanton Graubünden.
Der Kanton Glarus – auf halbem Weg zwischen Zürich und Chur – lag zwischen der Ostalpenbahn-Achse und der Gotthard-Route. Und wurde erst spät mit den Ideen für eine Tödi-Greina-Bahn als Zugang in den Süden in Betracht gezogen.
Frühes Interesse an einer Ostalpenbahn
Zu Beginn des Eisenbahnzeitalters, so ab den 30er-Jahren des 19. Jahrhunderts, erkannten Politiker und Regierungen die Notwendigkeit, den Anschluss an den Eisenbahnbau nicht zu verpassen.
Als eigentlicher Pionier darf der St. Galler Landammann Gallus Jakob Baumgartner (1797 bis 1869) gelten. Für diesen führenden Politiker stand die Anbindung der Ostschweiz an eine Nord-Süd-Verbindung über die Ostalpen im Vordergrund. Damals dachte man beim Eisenbahnbau an grossräumige Verbindungen und nicht an einen städtischen S-Bahn-Verkehr.
So wurden schon 1838 auf Baumgartners Veranlassung hin Planaufnahmen für Eisenbahnstrecken Chur-Walenstadt und Schmerikon-Weesen aufgenommen, dies in Hinblick auf eine künftige Ostalpenbahn. Von einer Gotthardbahn war vorerst nicht die Rede. In Graubünden setzten die Eisenbahnpläne nur wenig später ein. Bereits 1845 wurde zwischen St. Gallen, Graubünden und dem Tessin ein Konkordat zugunsten eines Lukmanierüberganges abgeschlossen.
Für den Lukmanier machte sich vor allem der Bündner Kantonsingenieur Richard La Nicca (1794 bis 1883) stark. In Graubünden stellten sich regional verschiedene Interessen der Konzentration auf ein einziges Bahnprojekt entgegen. Doch wurde das Konkordat trotzdem ratifiziert. Wir wissen, die Bemühungen um eine Ostalpenbahn blieben erfolglos.