Verein im Zürcher Oberland macht gegen Tunnel mobil
Er sorgt immer wieder für heisse Köpfe: der Stadttunnel Rapperswil-Jona. Die Vereinigung Lebensraum Oberland (LEO) schreibt in einer Mitteilung, der Stadttunnel verschiebe die Probleme lediglich, statt sie zu lösen. «Wie fast überall wird der Durchgangsverkehr zu hoch eingeschätzt.» Vom Autobahnanschluss Hüllistein bis zum Seedamm betrage dieser nur knapp ein Drittel des Gesamtverkehrs. Die Vereinigung spricht von einem «Tunnelwahnsinn», der in der Stadt am Obersee herrsche: «Der Stadtrat foutiert sich um die Resultate von Verkehrserhebungen.»
«Keine neuen Argumente»
Als Alternative schlägt LEO einen Ausbau des Eisenbahnnetzes vor. Konkret fordert der Verein einen Doppelspurausbau Rüti–Rapperswil–Hurden sowie eine Direktverbindung Rüti–Schmerikon und die Stadtbahnen Oberland und Obersee. Diese würden weniger kosten als die angedachten Strassenprojekte, schreibt die Vereinigung.
Für den städtischen Bauchef Thomas Furrer sind die Argumente zum Durchgangsverkehr «nichts Neues». Der Stadtrat habe diese Verkehrsmessungen immer wieder thematisiert. Man wisse in Rapperswil-Jona, dass der Durchgangsverkehr sogar weniger als ein Drittel betrage. «Aus diesem Grund plädieren wir für die sogenannten Vollanschlüsse des Tunnels», erklärt Furrer. Zudem hätte keine der angedachten Varianten nur auf den Transitverkehr gezielt. «Wir müssen auf jeden Fall auch das innerstädtische Netz entlasten.» Der Tunnel bedeute auch eine Entlastung für den Ziel- und Quellverkehr.
Auch für die Verkehrsteilnehmenden aus dem Zürcher Oberland bringe der Tunnel eine Verbesserung, ist Furrer überzeugt: «Autofahrer aus dieser Region müssen nicht mehr über die überlastete Rütistrasse.» Zudem werde der Anschluss an die A53 besser und sicherer. Auch befürchtet Furrer keine «Verkehrsschwemme» für das Zürcher Oberland.
Furrer wehrt sich auch gegen den Vorwurf der Vereinigung, der Stadtrat wolle den Tunnel um jeden Preis: «Durch das Mobilitätsforum ist die Verkehrsstrategie breit abgestützt.» Zudem sei die Planung eines Tunnels auch ein Bürgerauftrag, wie der Bauchef erklärt. Und: Das Megaprojekt habe in finanzieller Hinsicht definitiv eine Obergrenze. «Über den Tunnel zu entscheiden, ist nicht allein Sache des Stadtrats», resümiert Furrer.