Wie ein Journalist in eine Zugsentführung verwickelt wurde
Den Abend des 26. Novembers 1996 wird Theo Gstöhl, Journalist und Fotograf, wohl nie mehr vergessen. Er erhielt damals einen Anruf eines Mediensprechers der Kantonspolizei. Der Grund: Ein Zug der Rhätischen Bahn wurde entführt und der Entführer wolle mit ihm sprechen.
Lokführer mit Luftpistole bedroht
Aber der Reihe nach: Ein damals 33-jähriger Bündner hat nach dem Konsum von reichlich alkoholischen Getränken an diesem Tag beschlossen, mit der RhB zu fahren. So weit, so normal. Er wollte dies aber im Führerstand tun. Mit einer Luftpistole macht er sich deshalb auf den Weg zum Churer Bahnhof. Er besteigt einen Zug und gelangt in die Führerkabine und droht dem Lokführer mit der Luftpistole. Dass es sich um eine Luftpistole handelt, ist allerdings dem Lokführer nicht klar. Und dementsprechend hat auch die Polizei zu diesem Zeitpunkt keine Kenntnis von der Art der Waffe.
Der Lokführer fährt wie vom Entführer gefordert los. Bereits vor Reichenau endet die Fahrt aber. Denn der Lokführer hat ein Haltesignal missachtet. Dadurch hält der Zug automatisch an. Im Zug befinden sich zu diesem Zeitpunkt gegen 200 Passagiere. Vom Bahnhof Reichenau aus gelingt es, über Funk Kontakt zum Entführer aufzunehmen. Auf die Frage, was er denn mit dieser Entführung erreichen wolle, antwortet der 33-Jährige, dass er mit einem Journalisten sprechen wolle. Thema: Missstände in der Psychiatrie. Der Mann war am Vortag aus der Psychiatrischen Klinik Waldhaus entlassen worden. Er sei dort misshandelt worden und wolle mit seiner Entführung auf seine Lage aufmerksam machen, erklärt er.