Schulpräsidium ist Zünglein an der Waage der Macht
Wer beerbt nach über einem Jahrzehnt den liberalen Schulpräsidenten Thomas Rüegg? Die Ausgangslage ist spannend: Neben den beiden nebenamtlichen Städträten Tanja Zschokke (UGS) und Roland Manhart (CVP) bewirbt sich auch der politisch unerfahrene Joner Schulleiter Luca Eberle (SP) um das Amt. Eberle wird unterstützt von FDP und SVP, die beide keinen eigenen Kandidaten stellen, und die SVP verzichtete von Anfang an auf eine eigene Kandidatur.
SP ohne Plan B
SP-Co-Präsident Eduard Hirschi ist überzeugt, dass Luca Eberle gute Chancen hat, gewählt zu werden: «Wenn er weiter auf breiter Ebene so überzeugen kann wie jetzt, reicht es vielleicht sogar im ersten Wahlgang.» Die SP wolle zurück in den Stadtrat, sagt Hirschi. Ob die SP bei einer Wahl von Tanja Zschokke oder Roland Manhart für die Ersatzwahl in den Stadtrat zur Verfügung stünde, sei noch unklar, sagt Hirschi. Er halte es für unklug, sich vor dieser Wahl «zu verzetteln», erklärt Hirschi. «Wir wollen jetzt unsere Kräfte bündeln. Einen Plan B gibt es nicht.»
Auch die CVP ist überzeugt von den Erfolgschancen ihres Kandidaten. Roland Manhart punkte «mit seinem politischen Leistungsausweis, seinem beruflichen Rucksack im Bildungswesen und seiner familiären Verwurzelung in Rapperswil-Jona». Negativ ausgelegt werde ihm einzig, dass er im Auftrag des Stadtrats das schwierige Kesb-Dossier habe übernehmen müssen. «Dieses Himmelfahrtskommando hat er zwar ausgesprochen erfolgreich gemeistert, doch es gibt natürlich Leute, denen das keine Freude machte.»
Hofstetter glaubt ausserdem, dass viele Wähler den kurzfristigen Beitritt Eberles zur SP nicht goutierten und es kritisch sähen, wenn das Schulpräsidium von «einem Schulinternen» übernommen würde. «Für Tanja Zschokke wiederum spricht ihre Bekanntheit als Stadträtin und die Tatsache, dass mehr Frauen in der Politik bitter nötig wären.» Als «Hauptmanko» sieht Hofstetter Zschokkes fehlende Berührungspunkte mit dem Schulwesen.
Diesen Punkt beurteilt die Co-Präsidentin der UGS, Silvia Kündig, ganz anders: «Für die Themen Bildung und Familie, Gesundheit und Alter ist eine Frau prädestiniert.» Ausserdem wäre es für die zweitgrösste Stadt im Kanton «nicht zeitgemäss», wenn sie drei männliche Vollamt-Stadträte hätte.