Neue Facetten zu Anna Göldi
Auf den Dienstagabend hatten der Historische Verein und die Anna-Göldi-Stiftung zur Vernissage des neuen Jahrbuchs «Annäherungen an Anna Göldi» in die Landesbibliothek nach Glarus eingeladen. Wie das erste Jahrbuch von 1865 ist das 99. Jahrbuch des Vereins diesem Fall gewidmet.
Der Abend wurde vom Landratspräsidenten Peter Rothlin eröffnet. 2008, über 200 Jahre nach der Hinrichtung von Anna Göldi, hatten Landrat und Regierung des Kantons Glarus ihrer Rehabilitierung zugestimmt. Der Landrat anerkennt, dass sie Opfer eines Justizmordes geworden ist. Der Rehabilitierung kommt eine Symbolfunktion zu, sie stellt eine Anerkennung für alle anderen durch eine staatliche Autorität zu Unrecht hingerichteten Menschen dar, deren Fälle nicht aufgearbeitet werden können.
Museumsleiter staunt
Justizmorde gibt es allerdings in totalitären Regimen auch heute noch. In der Folge sprach Rothlin über die Bedeutung von Freiheit und Menschenrechten. Die heutige Lage in Gesellschaft und Politik mache ein Einstehen für das freie Wort und für die Freiheit notwendig.
Darauf referierte Fridolin Elmer, Stiftungsrat der Anna-Göldi-Stiftung. Er hat im Zusammenhang mit seiner Arbeit als Museumsleiter darüber gestaunt, wie sich neben Historikern auch Rechtsgelehrte, Medizinwissenschaftler, Politiker, Schriftsteller, Theater- und Filmemacher mit Anna Göldi beschäftigt haben.
Keiner könne die Deutungshoheit für sich beanspruchen, aber jeder zeige andere Facetten auf. Er plädierte für eine Pluralität der Annäherung – wissenschaftlich, künstlerisch, sinnlich, literarisch. Mit der Museumsarbeit versucht er, Resultate der Forschung verständlich zu vermitteln und ein breites Publikum zu erreichen.
Ein Fall von Hexerei 1771?
Der Präsident des Historischen Vereins, Rolf Kamm, berichtete über einen ähnlichen Fall aus dem Jahr 1771. Damals stand die ledige, etwa 30-jährige Susanna Achermann von Kerenzen vor dem gleichen Rat. Der Eintrag im Ratsprotokoll meldet, die der Hexerei Verdächtigte sei «einfältig» und «mitleidswürdig», man wolle auf eine Anklage verzichten. Ausserdem sei zu hoffen, dass der Hexenglaube «in den so erleuchteten Zeiten» auch bei den Dümmsten verschwunden sei.