König der Scheinwelt
Von seinem Zuhause in Amden, hoch über dem Nebelmeer, schickte er seine Gedichte hinaus in die Welt. Und eroberte so mit rührseligen Zeilen das Internet. «Wenn du nachdenken musst, ob du liebst, dann liebst du nicht», sinnierte er etwa.
So hat sie begonnen, die Geschichte von Samedin Selimovic, dem «König der Likes», wie sie ihn nannten in den Medien, den «Social-Media-Star», den «Dichter, dem die Frauen vertrauen». 400 000 Personen – mehrheitlich junge Frauen – folgten ihm auf der Plattform Instagram und kommentierten seine Sprüche über das Leben und die Liebe.
Heute, drei Jahre später, gibt es ihn noch immer, Samedin Selimovic, «der mit den Sprüchen auf Insta». So zumindest, erzählt er, werde er auf der Strasse angesprochen, wenn er in Zürich unterwegs sei. Nun will er ein Buch veröffentlichen mit gesammelten Sprüchen und Metaphern aus seiner Feder. «Aus dem Kopf, mitten ins Herz» heisst es und soll am 19. Februar erscheinen.
Er trinkt einen Schluck Kaffee im Restaurant «Sonne» in Amden, den Blick auf die verschneite Bergwelt. Auf «Insta» findet man den 24-Jährigen noch immer – oder eigentlich: wieder. Denn lange Zeit war es ruhig geworden um den jungen Sprücheklopfer. Von den ursprünglich 400 000 Fans folgt ihm heute nur noch ein Bruchteil. Was ist passiert?
Die Sache mit den «Likes»
«Es war ein Boom», sagt Selimovic rückblickend. Vom Erfolg, vom Hype um seine Person, sei er damals regelrecht überrollt worden. Dass seine Gedanken so gut ankamen im Netz, habe er nicht erwartet. Ein Stück weit war es ein Teufelskreis, sagt er heute: «Je bekannter du bist, desto grösser der Druck, ständig etwas zu posten, was den Fans gefällt.»
Für Selimovic kam irgendwann der Moment, in dem er eine Pause brauchte. Er trennte sich von seinem Management und zog sich ein Jahr lang zurück aus den Social Media – einer Scheinwelt, wie er heute sagt. «Ich verbrachte zu viel Zeit am Handy, war ständig online», sagt er selbstkritisch.