Kaltes Konzert in der Aula
von Swantje Kammerecker
Das Jahr war für die Glarner Kulturfreunde bedeutend. Mit dem neuen Namen «Glarner Konzert- und Theatergesellschaft» richtete sich der Verein auf ein breiteres Publikum aus. Und seine Mitglieder fieberten der Eröffnung der Aula der neuen Kantonsschule entgegen. Mit dieser stand in Glarus endlich ein Saal mit professioneller Bühnentechnik zur Verfügung, der dazu eine gute Sicht und Akustik von allen Plätzen bot.
Es war bereits vorwinterlich kalt, als am 27. November 1976 in der Aula das Einweihungskonzert stattfand. Iris Jaumann erinnert sich noch lebhaft daran. Denn den Abend hatte ihr Ehemann organisiert. Rudolf Jaumann war von 1969 bis 1980 Vorstandsmitglied der Gesellschaft und für die Sparte Konzerte zuständig. Der ehemalige Dorfarzt von Netstal, selbst leidenschaftlicher Musikant, hatte die Vision der Gründer vor Augen, «nur allererste Solisten» zu verpflichten.
Das tat er in diesem Fall mit der international erfolgreichen Geigerin Johanna Martzy, die in Glarus wohnte, und ihrem Klavierbegleiter István Hajdu. Von jeher pflegten im Glarnerland vor allem engagierte Laienmusiker etliche persönliche Kontakte mit Profis. So waren auch die Jaumanns mit dem Ehepaar Tschudi-Martzy bekannt.
Arbeit für die ganze Familie
«Mein Mann fand, wenn wir hier in Glarus so eine grossartige Künstlerin haben, müsse sie doch unbedingt dieses Konzert spielen», erzählt Iris Jaumann. «Das brauchte zwar etwas Überzeugungsarbeit, aber schliesslich sagte sie zu.» In den letzten Jahren, nachdem Johanna Martzy den Glarner Verleger und früheren Eigentümer der «Glarner Nachrichten», Daniel Tschudi, geheiratet und eine Tochter bekommen hatte, sei die Geigerin dann ja immer weniger aufgetreten. Aber: «Natürlich war sie von früheren Konzerten hier sehr bekannt.»
Ihren ersten Kammermusikabend in Glarus gab Martzy 1949, weitere folgten. Später wirkte sie unter Jakob Kobelt auch als Solistin in einem Regierungskonzert. Martzy habe nebst ihrer Ausnahmebegabung auch ein spezielles Charisma gehabt, erzählt Iris Jaumann. Entsprechend gross sei 1976 der Publikumsaufmarsch gewesen.