Kinderbuchautorin Monika Liechti: «Unbequeme Gefühle brauchen Mut»
von Urs Heinz Aerni
Frau Liechti, Ihr erstes Kinderbuch liegt nun in den Buchhandlungen. Es ist in Hongkong entstanden, wo Sie lebten und nun wohnen Sie in Maladers. Wie das?
Monika Liechti: Die zweite Hälfte unserer Zeit in Hongkong lebten wir auf der grössten Insel der Millionenstadt, wo sich frei lebende Wasserbüffel und Kühe am Strand gute Nacht sagen. Die unmittelbare Nähe zur Natur gefiel uns. Der Schritt zurück in die Schweiz nach fast zehn Jahren in Asien war ein grosser. Wir suchten einen Ort, welcher zu kreativem Schaffen einlädt und der über der Nebelgrenze und in der Nähe einer Stadt liegt. Das alles fanden wir in Maladers.
Im Buch, das Sie zusammen mit Alison Stephen, einer Illustratorin aus Kalifornien, gestaltet haben, geht es um ein Mädchen und den Mut, die Neugier und den Willen, nicht aufzugeben. Wie dringend sehen Sie diese Themen für unsere Kinder und Jugendliche heute?
Sie sind essenziell. Die heutigen Kinder und Jugendlichen wachsen in einer Zeit auf, in der Veränderung und die damit einhergehenden Unsicherheiten die einzigen Konstanten sind. Die Ergebnisse, welche Unicef nach der Corona-Pandemie in ihrer Studie zur psychischen Gesundheit unserer Jugend im November 2021 veröffentlichte, sind alarmierend. Besonders der Aspekt, dass fast ein Drittel der Befragten mit niemandem über ihre Probleme spricht. Zu viele sind damit überfordert, Suizidgedanken kommen gehäuft vor.
Und bei uns, im lauschigen Graubünden?
Es geht in eine ähnliche Richtung, das deutet die im letzten Jahr veröffentlichte Befragung zu Gesundheit und Verhalten der Churer Jugend. Es gilt unter anderem, Schutzfaktoren zu stärken.
Haben Sie ein Beispiel?
Einer davon ist, einen hilfreichen Umgang mit Emotionen zu erlernen. Es braucht Mut, neugierig zu sein und unbequemen Gefühlen nachzuspüren, sie zu benennen, sie verstehen zu lernen, sie wertzuschätzen als Teil von mir. Zu entdecken, dass ich mich entscheiden kann, wie ich auf meine Emotionen antworten will. Wir Erwachsenen sind gefragt, Ansprechpartnerinnen und -partner zu sein, bei denen sich die Kinder und Jugendlichen sicher, gesehen, ernst genommen und unterstützt fühlen. Die schwierigen Momente, welche wir mit ihnen aushalten, stärkt sie. Sie helfen Kindern und Jugendlichen, im Leben dranzubleiben und Neues zu wagen.