«Funktion der Bestandesregulation nicht mehr erfüllbar»
Nach seiner Zeit als Landammann ist er nun als Präsident des Bündner Kantonalen Patentjägerverbands (BKPJV) tätig.
Die kantonale Volksinitiative «Für eine naturverträgliche und ethische Jagd» erhitzt die Gemüter. Ziel der Initianten ist, die Jagd ethischer zu machen. Was die Gegnerschaft dazu sagt, erklärt der BKPJV-Präsident im Interview.
DZ: Im Initiativtext heisst es: «Trächtige, führende Hirschkühe sowie Rehgeissen und ihre Jungen sind generell zu schützen». Was ist dagegen einzuwenden?
T. Caviezel: Reh und Rothirsch haben sehr hohe Nachwuchsraten und können nur über den Abschuss von weiblichen Tieren reguliert werden. Mit dem Initiativbegehren müssten die nicht führenden Hirschkühe vor dem Monat September erlegt werden, die nicht führenden Rehgeissen vor Mitte Juli. Dabei ist nur ein kleiner Teil des weiblichen Wildes jagdbar. Zum Teil sind die Hirsche während dieser Zeit gar nicht im Kanton Graubünden. Ein Vorverlegen der Hirsch- und Rehjagd in den August oder noch früher ist aus wildbiologischer und tierschützerischer Sicht in einem Patentjagdsystem nicht vertretbar. Es führt zu einem zu hohen Jagddruck und zu hohen Störungen in einer Zeit, in der die Tiere viel Energie für die Milchproduktion und den Aufbau der für die Überwinterung notwendigen Fettreserven brauchen. Es handelt sich hier um einen sensiblen Eingriff, der für den Erhalt eines natürlichen und gut strukturierten Bestand notwendig ist. Dies geschieht mit allergrösster Sorgfalt.
Die Initiative fordert, dass Kinder bis 12 Jahre nicht mehr auf die Jagd mitgenommen werden dürfen. Bei Filmen mit Gewaltszenen kennen wir ähnliche Altersbeschränkungen. Wieso sollten diese nicht auch für die Jagd gelten?