Ende des Hausärztemangels in Sicht? Mitnichten!
Hausärzte sind die Allrounder der Medizin. Knapp 95 Prozent aller Gesundheitsprobleme können von ihnen behandelt werden. In den letzten Jahren wurde der Ruf aus den Arztpraxen nach mehr Hausärzten immer lauter und die Suche nach einer geeigneten Nachfolgelösung gestaltete sich in manch einer Arztpraxis schwierig. Eine Beobachtung, die auch Franz Marty, Hausarzt in Chur, gemacht hat: «Es ist schwierig, geeignete Nachfolger zu finden, die auch hier bleiben wollen.» Ärzte, die auch im Alter von 70 Jahren noch Patienten behandeln, seien keine Seltenheit, ergänzt Marty gegenüber «suedostschweiz.ch».
Junger Hausärzteverband lässt aufhorchen
Ein Licht am Ende des Tunnels stellen die Zahlen des Verbandes «Junger Hausärzte Schweiz» (JHaS) dar. Der 2009 gegründete Verband bildet die Schnittstelle zwischen Studierenden, Ärzten in der Weiterbildung sowie Hausärzten.
Nach dem Studium durchlaufen Hausärzte auf ihrem Karriereweg eine mehrjährige Praxisassistenz. Diese Stellen werden in den meisten Kantonen vom Staat mitfinanziert, teilweise gar bis zu 100 Prozent. Die Umfrage des JHaS zeigt nun, dass gut 40 Prozent des hausärztlichen Nachwuchses später eine Praxis übernehmen, in der sie eine Praxisassistenzstelle angetreten sind. Für den Studienleiter Sven Streit ist das eine erfreuliche Entwicklung: «Diese meist kantonal finanzierten Programme wirken, denn sie sind für den Nachwuchs der Steigbügel in die Praxistätigkeit.» Wenig überraschend sieht er dort den Schlüssel zum Erfolg und fordert die Gesundheitsdepartemente in den Kantonsregierungen zur weiteren Schaffung solcher Praxisassistenzstellen auf.
Kein Stadt-Land-Graben
Die Stiftung zur Förderung der Weiterausbildung in Hausarztmedizin (WHM) weist für den Kanton Graubünden aktuell acht Assistenzstellen aus, die vom Kanton zu 100 Prozent finanziert werden. Ob das genug sind, ist für Studienleiter Sven Streit fraglich: «Andere Kantone verfügen über 21 Praxisassistenzstellen, wobei eigentlich 55 benötigt würden. Im angepassten Verhältnis dürfte dies womöglich auch auf den Kanton Graubünden zutreffen.»