Die Frau hat den Dreh raus
Sie ist eine Zupackerin. Das sieht man Jutta Jertrum sofort an. Ihre praktische Ader war es auch, die sie kurzum zur Erfinderin gemacht hat: «Wenn mich etwas nervt, überlege ich permanent, wie ich das Problem lösen könnte», sagt die energiegeladene Frau. Genau so erging es der auf der Schwäbischen Alb geborenen Wahl-Jonerin mit ihrem verstopften Duschabfluss. «Keines der erhältlichen Produkte hat mich überzeugt», sagt sie, und ihre Augen blitzen. «Ich ärgerte mich jeden Tag aufs Neue.» In der Werkstatt ihres Schreiners kam ihr dann die Idee mit dem Holzstab. Er war es auch, der eine erste Vision des Abflussstabs auf Papier brachte.
Wenig später stand die gelernte Hotellerie-Fachfrau in Prag erneut vor demselben Problem: Der Abfluss der Hotel-Dusche war verstopft. «In diesem Moment dachte ich: Mein Holzstab, der einfach funktioniert und hygienisch ist, wäre hier perfekt.» Nach ihrer Rückkehr in die Schweiz erzählte sie ihrer Mutter von der Vision eines Holzstabs, der mit einem Dreh allen Unrat aus dem Abfluss holen sollte. Diese fand die Idee «cool». Kein Wunder: Sie hatte der kleinen Jutta bereits als Kind eingetrichtert: «Nur diese Leute sind beschissen, die sich nicht zu helfen wissen.»
Deutsche weniger vorsichtig
Gemeinsam mit ihrem Schreiner entwickelte sie bald den Holzstab «Twist Out», dessen geschwungene Rillen Haare und anderen Unrat anziehen, und liess das Produkt Ende 2016 patentieren. Wenig später gelangte der 40 Zentimeter lange Stab erstmals in die Läden. Das Rapperswiler Traditionsgeschäft Elsener Messerschmied war eines der ersten Geschäfte, das Jertrum ermöglichte, ihr Produkt im Handel anzubieten. Das schwungvolle Logo, das den Dreh des Stabs mit dem Baum verbindet, entwarf Jutta Jertrums älterer Sohn gemeinsam mit einem befreundeten Werber.
In der Schweiz beliefert Jertrum heute rund 60 Läden. Aber richtig Fahrt aufgenommen hat der Drehstab in unserem nördlichen Nachbarland: «Der Schweizer ist halt sehr vorsichtig und überlegt etwas länger, bevor er etwas Neues kauft.» Die «deutsche Antwort» auf ihr Produkt fasst die quirlige Jonerin so zusammen: «Der Deutsche findet es entweder toll oder einen Mist. Dazwischen gibt es fast nichts.» Unter anderem hat der Wirbelstab Eingang ins Sortiment des grössten deutschen Drogeriemarkts gefunden. Aber auch die sogenannten «Unverpackt-Läden» in Deutschland zeigten grosses Interesse an ihrem Stab aus Buchenholz, erzählt Jutta Jertrum. «Dort kann man die Abflussstäbe auch einzeln kaufen.» Am Obersee arbeiten auch einige Hotels mit Jertrums Erfindung. Neben dem Preis «Startfeld Diamant» ist sie auch für den German Innovation Award nominiert.