Das Nebenamt gerät in Schieflage
Seit ihrer Umsetzung vor zwei Jahren steht sie regelmässig in der Kritik: Die aktuelle Stadtratsstruktur. In der Exekutive von Rapperswil-Jona stehen drei hauptamtliche vier nebenamtlichen Stadträten gegenüber. Letztere haben keine eigenen Ressorts mehr und sind hauptsächlich strategisch tätig. Die einzelnen Ressorts leiten Ressortleiter.
Vergangenen Sonntag haben sich auch zwei Nebenamtliche ums Schulpräsidium beworben. Sowohl Roland Manhart als auch Tanja Zschokke haben vergleichsweise schlecht abgeschnitten. Waren Manhart und Zschokke als rein strategisch tätige Stadträte der Bevölkerung zu wenig bekannt? Diese Frage stellt sich am Tag nach der Wahl. Eduard Hirschi, Co-Parteipräsident der städtischen SP, hat sich bereits im Vorfeld der Wahl über die beiden Kandidaturen nebenamtlicher Stadträte gewundert. Am Tag nach der Wahl sagt Hirschi, bereits im Rahmen der Volksmotion «5 Stadträte sind genug» hätten die Stadträte im Nebenamt gesagt, dass ihre Aufgabe «sehr interessant» sei. «Und jetzt kandidierten mit Roland Manhart und Tanja Zschokke gleich zwei bestehende nebenamtliche Stadträte für ein Vollzeitpensum. Das liegt wohl daran, dass das vollamtliche Stadtratsmandat ein klareres Pflichtenheft kennt», mutmasst Hirschi.
Er habe das Amt des Schulpräsidenten nicht wegen der Stellenprozente gesucht, sondern weil ihn das Thema interessiere, entgegnet Roland Manhart: «Ich hätte gerne die Menschen von Anfang bis Ende politisch begleitet.» Ihm stünden die Themen Schule und Mensch nahe. Diese hätten ihn auch gereizt, wenn das Amt lediglich mit 60 oder 80 Prozent dotiert gewesen wäre, sagt Manhart.
Lust auf mehr Verantwortung
Die ebenfalls unterlegene UGS-Kandidatin Tanja Zschokke sagt, es hätten mehrere Gründe zu ihrer Kandidatur geführt. Dass das Schulpräsidium ein Vollamt ist, sei sicher nicht der Hauptgrund gewesen. «Ich würde aber gerne mehr Verantwortung übernehmen.» Zschokke gibt zu bedenken, dass man im Nebenamt über keine Ressortverantwortung mehr verfüge. «Das heisst aber nicht, dass ich nicht zufrieden bin mit meiner jetzigen Rolle.» Natürlich werde man im Nebenamt weniger wahrgenommen. «Haupt- und Nebenamt sind zwei verschiedene Aufgaben.» Beide hätten Vor- und Nachteile. Unter anderem habe sie auch die Frauenfrage motiviert, für das Amt zu kandidieren. «Es wäre sicher gut, wenn nicht nur männliche Stadträte im Vollamt tätig wären.»